Werbung

Noch kein klares Ja zur Buga

Gartenschau-Gesellschaft setzt Rostock eine Frist

Noch kann Rostock den Traum von der Bundesgartenschau (Buga) einen solchen bleiben lassen und sich von dem für 2025 geplanten Event verabschieden. Er könnte, so wird geschätzt, bis zu 135 Millionen Euro kosten; nach Abzug von Fördermitteln müsste die Stadt mit einer Eigenbelastung von rund 60 Millionen Euro rechnen. Bislang ist seitens der kommunalen Ebene keine bindende Entscheidung zur Buga gefallen. Doch bis spätestens Ende April 2020, so berichtet der NDR, will die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) in Bonn eine endgültige Zu- oder Absage aus dem Nordosten haben. Äußert sich Rostock bis dahin nicht, werde für 2025 ein anderer Standort gesucht, heißt es aus der Schauzentrale.

Rückblende: Nachdem im Mai 2017 feststand, dass Schwerin die Buga wegen Geldmangels nicht ausrichten kann, kam Rostock zum Zuge. Dessen damaliger Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) zeigte sich hocherfreut, als die Zusage aus Bonn eingegangen war, wertete die Ausstellung als »Meilenstein« für die Entwicklung der Hansestadt.

Großzügige Planungen begannen für ein Ereignis, dass nach ersten Schätzungen 1,7 Millionen Besucher an die Warnow locken wird. Ein mutiger Schritt für die Stadt, in der 2003 die Internationale Gartenbauausstellung trotz eines Zustroms von 2,6 Millionen Interessierten mit einem Defizit von 20 Millionen Euro geendet hatte. Für Rostock eine schmerzhafte Erfahrung, deren Ursache in Missmanagement gelegen haben soll.

Eine ähnlich schlimme Erfahrung sieht offenbar die LINKE in Rostocks Bürgerschaft voraus, beantragte sie doch im August 2019: Die Planungen zur Gartenschau sollten gestoppt werden. Denn offenbar verschlechtere sich entgegen bisheriger Prognosen die Haushaltslage der Stadt. Bevor diese in den Bereichen Schule, Sport und Soziales spare, müssten Großprojekte wie die Buga »kritisch hinterfragt werden«. Doch die Mehrheit des Kommunalparlaments wollte von dem Großprojekt nicht abweichen.

Die Warnung der Linksfraktion hat einen bitteren Hintergrund: Rostock war gerade mal ein Jahr lang schuldenfrei gewesen, im August aber stand die Stadt mit sieben Millionen Euro im Minus. Und schon im Januar hatte ein Papier aus dem Rathaus der Buga ein »wesentliches Risiko auf der Ausgabenseite« attestiert. Im gleichen Bericht wird bezweifelt, dass »alle Teilvorhaben« der Ausstellung bis 2025 verwirklicht werden können. Inzwischen ist zu erfahren, dass einige Buga-Projekte wahrscheinlich gar nicht oder nur abgespeckt realisiert werden.

Und was meint Rostocks neuer Oberbürgermeister, der seit September amtierende parteilose Claus Ruhe Madsen? In einem Rundfunkinterview sagte er, wenn die Schau »der Katalysator für Stadtentwicklung« ist, würde er sie lieben. Ansonsten sei die Buga »nice, aber nicht zwingend notwendig«.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln