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Kinder von Eltern mit geringer Bildung sind stark armutsbedroht

Kinderhilfswerk fordert langfristig die Einführung einer bedarfsgerechten Kindergrundsicherung in Höhe von 628 Euro

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Kinder aus Elternhäusern mit niedrigem Bildungsabschluss in Deutschland sind laut Berechnungen des Deutschen Kinderhilfswerks deutlich stärker von Armut bedroht als im EU-Durchschnitt. In Deutschland liege die Armutsgefährdungsquote dieser Mädchen und Jungen bei 60,9 Prozent, EU-weit hingegen bei 51,3 Prozent, erklärte die Organisation am Montag in Berlin. Das Hilfswerk forderte Bund, Länder und Kommunen auf, insbesondere Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss besser vor Armut zu schützen.

Bei Eltern mit mittlerem oder hohem Bildungsabschluss hingegen sei das Verhältnis umgekehrt, hieß es weiter. Während in Deutschland 20,2 Prozent der Kinder von Eltern mit mittlerem Bildungsabschluss armutsgefährdet seien, betrage dieser Wert im EU-Durchschnitt 23,6 Prozent. Bei einem höheren Bildungsabschluss der Eltern lägen die Werte bei 6,1 Prozent in Deutschland und 8,3 Prozent im EU-Durchschnitt. Das Kinderhilfswerk berief sich auf eine aktuelle Auswertung von Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat).

Dass Deutschland bei der Kinderarmutsgefährdungsquote in Haushalten mit niedrigem Bildungsabschluss der Eltern so deutlich über dem EU-Durchschnitt liegt, gebe Anlass zur Sorge, sagte der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger. EU-Länder wie Portugal, Dänemark, Luxemburg und die Niederlande seien Deutschland hier weit voraus. Krüger sprach sich für »armutsfeste Löhne« aus sowie für eine deutliche Entlastung von Geringverdienenden bei Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen, mehr bezahlbaren Wohnraum für Familien mit niedrigem Einkommen und ein chancengerechteres Bildungssystem. Langfristig tritt das Kinderhilfswerk für die Einführung einer bedarfsgerechten Kindergrundsicherung in Höhe von 628 Euro ein.

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Kinderarmut wirke sich in vielen Bereichen des Alltags aus, betonte Krüger. Sie werde zum Beispiel bei der Inanspruchnahme der Tafeln deutlich, bei denen 30 Prozent der Kundinnen und Kunden Kinder und Jugendliche seien. Auch hänge der Schulerfolg in Deutschland nach wie vor beträchtlich von der sozialen Herkunft ab. epd/nd

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