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Hebammenverband schlägt Alarm

Geschlossene Kreißsäle zum Jahresende wegen fehlenden Personals

  • Von Dieter Hanisch
  • Lesedauer: 3 Min.

Vor zwei Jahren in Bonn, im Vorjahr in Mosbach und Crivitz, dieses Jahr in Rendsburg, Strausberg, Schweinfurt und Eichstätt: Dass Kliniken über Weihnachten und Neujahr den Hebammen-Notstand ausrufen und ihre Kreißsäle vorübergehend schließen, ist inzwischen kein singuläres Beispiel mehr. Dass an immer mehr Orten die für die Entbindung wichtigste Person fehlt, stellt dem hoch entwickelten Deutschland gesundheitspolitisch kein gutes Zeugnis aus.

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In Rendsburg kann die dortige Imland-Klinik vom 23. Dezember bis 2. Januar wegen Urlaub und eines Krankheitsfalls keinen Schichtbetrieb mit 24-stündiger Betreuung auf der Geburtenstation gewährleisten. Der Kreißsaal steht im besagten Zeitraum laut Mitteilung nur im Notfall zur Verfügung. Rund 20 werdende Mütter trifft die Maßnahme. Sie müssen jetzt ins 40 Fahrminuten entfernte Kiel oder Neumünster ausweichen. Im Strausberger Märkisch Oderland-Krankenhaus gibt es bereits seit dem 20. Dezember keine Geburten. Erst ab 28. Dezember ist dort eine Hebammen-Vollversorgung wieder gewährleistet. Das St. Joseph-Krankenhaus in Schweinfurt hat genau die gleichen Sorgen, findet aber trotz übertariflicher Bezahlung keine Hebammen. Dort ist der Kreißsaal vom 24. Dezember bis 1. Januar verwaist. In Eichstätt gibt es ab Weihnachten für unbestimmte Zeit keine Geburten.

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Der Deutsche Hebammenverband schlägt seit Monaten Alarm, weist auf Missstände hin, die die Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren zunehmend unattraktiv gemacht haben. Arbeitsverdichtung und finanzielle Hürden wie etwa immens hohe Haftpflicht-Versicherungsprämien um die 10 000 Euro lassen immer mehr Geburtshelferinnen ihren Job an den Nagel hängen, was wiederum die Arbeitsbelastung noch weiter forciert. Andere leisten nur noch Geburtenvor- oder -nachbetreuung.

Für Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin der LINKE-Fraktion im Bundestag, ist die Problematik nicht vom Himmel gefallen. Sehenden Auges sei man bereits in den vergangenen Jahren darauf zugesteuert. Ihre Forderung: Dem Personalmangel könne nur begegnet werden, wenn das Berufsbild wieder attraktiver gemacht werde. Aus Gesprächen weiß Möhring: »Mehrere Geburten gleichzeitig betreuen, parallel Medizinschränke reinigen und am Ende den Kreißsaal putzen - das ist Alltagsrealität.« Möhring möchte deshalb verbindliche Personalvorgaben für alle Berufsgruppen im Krankenhaus. Ziel müsse für Hebammen eine 1:1-Betreuung sein. Erst das mache die Berufsrückkehr für diejenigen wieder denkbar, die wegen der schlechten Arbeitsbedingungen den Ausstieg gewählt haben, so die Abgeordnete aus Schleswig-Holstein.

Wie so oft steigt die Wertschätzung erst in Notlagen. Inzwischen begegnen Krankenhäuser der Hebammenknappheit mit Zulagen, was auch zu Abwerbungen führt. In Bayern gibt es ab 1. Januar Bonuszahlungen, um Geburtshelferinnen aus Sachsen oder Thüringen neben ihrer dortigen Arbeit für Betreuungsfälle ins Nachbarbundesland zu locken.

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