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Gänsekeulen für den guten Zweck

Zum 25. Mal veranstaltet Entertainer Frank Zander eine Weihnachtsfeier für Bedürftige

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.
Frank Zander bedient Bedürftige bei seiner Weihnachtsfeier.
Frank Zander bedient Bedürftige bei seiner Weihnachtsfeier.

Diesen Abend werden Uwe und Piotr sicherlich noch lange in guter Erinnerung behalten: Bereits zum 25. Mal richtete der Entertainer und Schlagersänger Frank Zander am vergangenen Freitagabend ein festliches Weihnachtsmahl für rund 3000 obdachlose und bedürftige Menschen im Estrel-Hotel in Berlin-Neukölln aus.

Uwe und Piotr, zwei Männer Anfang 50, die sich beide seit längerem in der Hauptstadt auf der Straße durchschlagen, sind als Gäste mittendrin. »Ich habe mich schon das ganze Jahr auf diesen einen Abend gefreut«, sagt Uwe. Er ist bereits zum dritten Mal bei der Weihnachtsfeier dabei. Auch für seinen Kumpel Piotr ist es nicht die erste Party mit Frank Zander. »Frank ist ein guter Mann. Er hat ein Herz für Leute, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren wurden«, sagt Piotr.

Gemeinsam mit den anderen Gästen sitzen die beiden an weihnachtlich geschmückten Tischen. Zu essen gibt es traditionelle Gänsekeulen mit brauner Sauce, Rotkraut und Kartoffelknödeln. Auch eine vegetarische Option kann bestellt werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, sich kostenfrei die Haare schneiden zu lassen. Kleidung, Spielzeug und Bücher werden gratis im Saal verteilt. Auf der Bühne sorgt ein buntes Unterhaltungsprogramm für Stimmung.

Höhepunkt des Abends ist neben der Showeinlage von Gastgeber Zander der Auftritt des Liedermachers Reinhard May. »Ich dachte, der singt überhaupt nicht mehr vor Publikum«, sagt Uwe leicht ungläubig. Das stimmt im Prinzip auch. Für Frank Zanders Weihnachtsfeier hat May aber eine Ausnahme gemacht.

Wie in den Vorjahren werden Essen und Getränke von Hunderten freiwilligen Helfern serviert. Unter ihnen sind auch in diesem Jahr viele Politiker und Prominente. Hemdsärmelig und mit schwarzer Schürze servieren etwa Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke die Teller. Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, Neuköllns Ex-Bürgermeister Heinz Buschkowsky (alle SPD) und der LINKE-Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi betätigten sich an diesem Abend als eifrige Kellner. Ebenfalls als Helfer mit von der Partie waren Schauspielerin Simone Thomalla, der frühere Boxer Axel Schulz und Hertha-Urgestein Andreas »Zecke« Neuendorf.

Für Sozialdemokrat Woidke war der Einsatz in diesem Jahr eine Herzensangelegenheit. »Bei der Feier geht es nicht nur um Gänsebraten, sondern vor allem darum, anderen Menschen Mitgefühl, Wertschätzung und Geborgenheit zu geben«, sagt der Ministerpräsident. Frank Zander habe mit der jährlichen Weihnachtsfeier eine wunderbare Tradition begründet. »Jeder Einzelne kann etwas tun, um Menschen in Not zu helfen. Nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über«, so Dietmar Woidke.

Auch der Gastgeber will seine Feier nicht als einmaliges jährliches Großevent der Wohltätigkeit verstehen. »Ich bin nicht der Heilige für alle«, sagt Zander. Es gehe ihm darum, an die Herzen der Menschen zu appellieren und für ein gesellschaftliches Umdenken zu werben. »Jeder denkt heute viel zu oft nur an sich. Wir müssen sehen, dass wir die Dinge ändern«, zeigt sich der 77-Jährige überzeugt.

Ermöglicht wird die Feier durch zahlreiche Geld- und Sachspenden. So steuerte die Gewerkschaft der Polizei in diesem Jahr über Tausend warme Outdoorpullover und Jogginganzüge bei. Hertha BSC stellte 166 Winterjacken und die Bäckerinnung über 120 Stollen zur Verfügung.

Das Weihnachtsessen solle es auch in den kommenden Jahren weiter geben. Wenn Uwe und Piotr im nächsten Jahr wieder zu den glücklichen gehören, die in einer der Obdachlosenunterkünfte rechtzeitig eines der begehrten kostenfreien Einlassbändchen für Zanders Weihnachtsfeier ergattern können, wollen sie unbedingt wiederkommen. »Wenn wir bis nächstes Weihnachten den Sprung von der Straße schaffen, wäre das natürlich noch etwas geiler«, sagte Uwe.

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