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Natassa Giannopoulou und Vassilis Bournas. 2019 haben die Bäuerinnen und Bauern in Daras eine gute Olivenernte eingefahren.

Zusammen sind wir stark

Die griechische Kooperative »Messinis Gea« blickt voll Tatendrang in die Zukunft

Von Anne Schindler und Mathias Nehls

Die Sonne scheint in dem kleinen Ort Daras im Südwesten der griechischen Halbinsel Peloponnes. Hier ist die Kooperative »Messinis Gea« zu Hause. Die Bäuerinnen und Bauern der Kooperative produzieren seit über zwei Jahren das Olivenöl »MAZI«. Dieses Öl ist in doppeltem Sinne solidarisch: Nicht nur die Bäuerinnen und Bauern erhalten fast das Doppelte des aktuellen Marktpreises, ein Euro je verkauftem Liter Olivenöl wird an solidarische Projekte gespendet.

Aktuell haben sie in der Kooperative alle Hände voll zu tun: Es ist Erntezeit. Kostas steht mit seinem Bruder und vier Erntehelfern mitten im Olivenhain und lächelt bis über beide Ohren. Er erzählt, wie prächtig die Oliven dieses Jahr gereift sind. Der warme und trockene Sommer sowie die guten Konditionen während der Ernte versprechen köstliches Olivenöl. Kostas ist einer der 15 Bäuerinnen und Bauern, die der Kooperative angehören. Gemeinsam produzieren sie 20 000 Liter Olivenöl. Eine Hälfte geht nach Deutschland, wo es von der Genossenschaft »SolidariTrade - Genossenschaft für Solidarisches Handeln e. G.« vertrieben wird, die andere Hälfte ist für den griechischen Markt bestimmt.

Bereits über 8700 Liter wurden verkauft - auch dank der nd-Leserinnen und -Leser. Das sind 8700 Euro Spenden für solidarische Projekte in Griechenland wie die Soziale Arztpraxis und Apotheke in Arta, »Refugee Aegean Support« und »Iuventa10«, die wir mit dem solidarischen Euro aus den Verkäufen des MAZI-Olivenöls unterstützen.

Mazi ist das griechische Wort für gemeinsam, zusammen. Die Gemeinsamkeit steht für Kostas und die anderen Mitglieder der Kooperative immer im Mittelpunkt. Dass es gemeinsam besser geht, haben sie im letzten Jahr gemerkt: Während andere Olivenbäuerinnen und -bauern mit einer Ölfliegenplage kämpfen mussten, hat »Messinis Gea« durch die gute Kooperation kaum Verluste in der Ernte hinnehmen müssen. Nur zusammen können die Mitglieder auch ihr neues Projekt bewältigen: Bis Februar wollen sie eine eigene Abfüllanlage zum Laufen bringen.

Dafür arbeiten Kostas, Natassa, Vassilis (der Gründer der Kooperative) und alle Mitglieder der Kooperative ohne Pause. Tagsüber ernten sie die reifen Früchte von den zahllosen Olivenbäumen, abends geht es im noch kahlen Raum der Abfüllanlage weiter. Fast alles machen sie selbst, erzählt uns Natassa später, streng nach EU-Norm. Sie hofft, dass die Abfüllanlage schon im kommenden Frühjahr eingeweiht werden kann, denn so steige die Qualität des Öls noch einmal. Dank des solidarischen Preises für das Olivenöl können sich die Mitglieder der Kooperative etwas Eigenes erschaffen; außerdem bewirbt sich die Kooperative um EU-Fördergelder.

Doch bevor die Abfüllung erfolgen kann, muss das Olivenöl gepresst werden. Im 18-Stunden-Betrieb arbeitet die zentrale Presse im Ort. Unermüdlich verarbeitet sie die Tagesernte aller Bäuerinnen und Bauern. Wir treffen Natassa an der Presse, sie bringt in stapelbaren und wiederverwendbaren Kisten die Oliven ihres Hains. Natassa gehörte zu den ersten Frauen, die sich der Kooperative »Messinis Gea« anschlossen. Am Anfang noch skeptisch beäugt und Ziel von Spott, kann sich die Kooperative heute kaum vor Anfragen retten. Doch sie wollen es langsam angehen und alles richtig machen, erklärt Vassilis, der sich um die Finanzen der Kooperative kümmert. Er erzählt, dass die neue Regierung viele Maßnahmen der linksgerichten SYRIZA-Regierung für den Aufbau einer solidarischen griechischen Ökonomie wieder rückgängig machte.

Das Gesetz zur solidarischen Ökonomie, das 2016 beschlossen wurde und den solidarischen Strukturen, die im Zuge der Krise im Land gewachsen waren, einen rechtlichen Rahmen und finanzielle Hilfen geben sollte, institutionalisierte das Versuchsfeld der solidarischen Ökonomie. Doch damit ist es jetzt wohl vorbei: Der Fonds, der einst für neu entstehende Kooperativen angelegt wurde, dient nun anderen Zwecken. Die unsichtbare Hand des Marktes, so scheint es, erhält wieder die komplette Kontrolle über Griechenland. Solidarität braucht gerade in diesen Zeiten Kontinuität, und deshalb machen wir und die Kooperative »Messinis Gea« weiter. Auch 2020 werden wieder 10 000 Liter MAZI-Olivenöl nach Berlin geliefert - wieder in Ein-Liter-Flaschen und Fünf-Liter-Kanistern. Die neue Ernte kann ab Mitte März bestellt oder im Lesecafé »Babett« erworben werden.

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