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Es ginge auch ohne Georg Grozer

Wenn der leicht angeschlagene Starangreifer indes dabei ist, tun sich die deutschen Volleyballer im Kampf ums Olympiaticket leichter

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 3 Min.
Vor allem mit starken Aufschlagserien bewies Georg Grozer (oben) in den ersten beiden Spielen, dass er für die Deutschen unverzichtbar ist.
Vor allem mit starken Aufschlagserien bewies Georg Grozer (oben) in den ersten beiden Spielen, dass er für die Deutschen unverzichtbar ist.

Lukas Kampa kümmerten alle Rechenspiele schon am Montagabend nicht mehr. Der Kapitän der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass die beiden 3:0-Erfolge zum Auftakt der Olympiaqualifikation nicht für die Teilnahme am Halbfinale reichen sollten. Eine eigene Niederlage gegen Vize-Europameister Slowenien am späten Dienstagabend (nach Redaktionsschluss) war zwar möglich, aber dass Außenseiter Tschechien dann auch noch Belgien und die Slowenen klar besiegt - daran wollte er einfach nicht glauben. Also schlug Kampa alle Vorsicht in den Wind: »Klar, wir sind im Halbfinale. Da ist die Freude groß«, sagte der deutsche Zuspieler. »Wir haben ein wichtiges Ziel erreicht. Und damit können wir zufrieden sein.« Als die Belgier knapp 19 Stunden später in der Berliner Max-Schmeling-Halle wie erwartet einen Satz gegen die Tschechen gewannen, war klar, dass Kampa recht behalten hatte. Das Halbfinale war den Deutschen nicht mehr zu nehmen.

Lediglich eine kleine Wadenblessur bei Hauptangreifer Georg Grozer trübte die Freude der deutschen Volleyballer nach dem Start nach Maß ein wenig. Dass sie gegen Tschechien und Belgien nur phasenweise ihr Topniveau erreichen würden, war von vornherein einkalkuliert. Die Vorbereitung auf das Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele in Tokio im Sommer war nun mal extrem kurz. Dafür lief es in den ersten Tagen von Berlin schon recht gut.

»Wir hatten uns vorgenommen, unser bestmögliches Volleyball abzurufen. Leider wurden dem Vorhaben am Ende ein paar Steine in den Weg gerollt: Georg verletzt sich. Und die Belgier haben sich zunehmend gewehrt«, analysierte Mittelblocker Marcus Böhme den zweiten Sieg. »Wir haben uns nicht zu 100 Prozent sicher und wohl gefühlt. Aber wir haben es irgendwie geschafft, uns wieder wachzurütteln und gut dagegenzuhalten.«

Die beiden leichtesten Gegner sind also besiegt, was Bundestrainer Andrea Giani auch mit Blick auf seinen wichtigsten Spieler etwas Spielraum für die letzte Vorrundenpartie gab. »Bei Georg ist soweit alles in Ordnung. Er wird gegen Slowenien, wie auch andere Spieler, geschont und wir sind positiv gestimmt, dass er am Donnerstag wieder auflaufen kann«, gab der Italiener Entwarnung nach einer ersten Untersuchung der Wade Grozers am Dienstagvormittag. Es scheint so, als könne der Star des Teams im Halbfinale dabei sein.

Die bisherigen Partien hatten bewiesen, dass die Deutschen weiterhin kaum auf den Diagonalangreifer verzichten können. Auch wenn der 35-Jährige im Angriff noch nicht die gewohnte Durchschlagskraft zeigte, brachte er doch sowohl gegen Tschechien als auch gegen Belgien seine Mannschaft mit famosen Aufschlagserien immer wieder zurück in schon verloren geglaubte Sätze.

Für Grozer war Ende des dritten Satzes gegen Belgien der zweite Diagonalangreifer Simon Hirsch aufs Feld gekommen; er machte gleich einen wichtigen Punkt, und Deutschland drehte auch den diesen Satz noch - ganz ohne Grozer. »Das hat gezeigt, dass wir auch mit Simon spielen und Georg eine kleine Pause geben können«, freute sich Kapitän Lukas Kampa darüber, dass auch die Bankspieler der Mannschaft helfen konnten. »Die Unterstützung ist da. Egal ob Marcus Böhme, Julian Zenger, Ruben Schott oder Simon Hirsch. Alle machen sofort ihren Job richtig gut. Sie strahlen Sicherheit aus. So kann das hier gelingen«, sagte Kampa.

Darauf zählt auch der Bundestrainer: »Klar haben wir unterschiedlich starke Spieler. Dennoch vertraue ich jedem von ihnen. Sonst hätte ich nicht in fast jedem Satz drei Leute eingewechselt. Die haben alle Qualität ins Spiel gebracht«, freute sich Giani, der zum Großteil aber auf die erfahrensten Kräfte in der Mannschaft baut.

Was aber, wenn Georg Grozers Wade doch nicht bis zum Endspiel am Freitagabend durchhält? »Selbst ohne Georg ist die Qualifikation möglich«, antwortete Giani trotzig. »Im Volleyball hat man immer eine Chance. Man muss sie nur ergreifen.«

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