»Was weinst du, die Kinder machen Abitur«

Spöttische Melancholie: »Tigrisbrücken«, der neue Lyrikband von Jutta Schlott

  • Von Ingeborg Arlt
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Wenn die Sprache der Politik metaphorisch wird, fällt die nüchterne einer Dichterin auf: »wasser gurgeln blut und lehm«. Und über diese Wasser führen Brücken.

Die Schweriner Autorin Jutta Schlott hat einen neuen Gedichtband veröffentlicht, »Tigrisbrücken«, und kommt in ihm ohne Genitivmetaphern, Neologismen und Wortwitze aus.

Schlott bedient sich der Alltagssprache, und zwar derart lakonisch und kunstvoll, dass die legendäre Schärfe der antiken Lakonier in diesen Gedichten zum Gestaltungsmittel wird. Verse wie »ach fliegen / ach absturz / mein letztes vergnügen« sind dazu angetan, dem Lesenden in die Seele zu schneiden, nicht minder wie jene, die das Heimweh aus Russland eingewanderter Deutscher beschreiben: »Was weinst du / die Kinder machen Abitur / Alle werden satt«.

Im Untertitel ihres Bandes spricht Jutta Schlott von »Vermischten Gedichten«. Das ist das Einzige, was man an diesem Buch nicht er...


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