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Jetzt kommen die Taten

Die klimapolitische Lage ist weltweit zum Verzweifeln, aber es gibt im Kleinen gute Nachrichten - und die sind wichtig, um den großen Wandel anzustoßen, meint Elena Balthesen

  • Von Elena Balthesen
  • Lesedauer: 3 Min.
Klimawandel: Jetzt kommen die Taten

Diesen Freitag finden in vielen deutschen Städten Proteste gegen die geplante Beteiligung von Siemens an der Adani-Kohlemine in Australien statt. Wir von »Fridays For Future« in München machen eine stumme 24-Stunden-Mahnwache. Das Motto: keineWortemehr. Ich fühle mich sprachlos in den Momenten, in denen ich die unfassbaren Fotos von den Bränden in Australien sehe. Dann überkommt mich das Gefühl, dass doch alles hoffnungslos ist: nach einem Jahr Demonstrieren, Woche für Woche, nach so viel Energie, nach diesem unfassbaren Jahr.

Die globalen CO2-Emissionen steigen weiter, die Weltklimakonferenz in Madrid war politisch gesehen ein Desaster, klimabedingte Naturkatastrophen treffen die Welt wie nie zuvor und all die führenden Politiker*innen ignorieren die Klimakrise immer noch weitgehend. Es fällt schwer, angesichts der globalen Nachrichtenlage nicht in Frustration zu verfallen. Diese Woche habe ich mir deshalb vorgenommen, positive Nachrichten zu sammeln.

Was ist 2019 gut gelaufen? Ein Rückblick über das Jahr zeigt, dass Engagement etwas bewirkt.

Im vergangenen Jahr ist in München viel passiert. Wir haben natürlich nicht alles erreicht, was wir wollten, aber wir haben gemeinsam mit vielen anderen Teilen der Umweltbewegung lauter kleine Erfolge gefeiert. So hat Anfang des Jahres das Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern stattgefunden. Wir haben das unterstützt. Ich erinnere mich noch an lange Schlangen vor dem Rathaus, wo man unterschreiben konnte, und an Klimastreiks in Insektenkostümen. Am Ende wurde es das erfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte des Freistaates: 18,3 Prozent aller Stimmberechtigten, das sind 1,7 Millionen Menschen, haben sich beteiligt. Zehn Prozent wären nötig gewesen.

Den Münchener Radentscheid haben im Sommer über 160 000 Menschen mit ihrer Unterschrift unterstützt - mehr als doppelt so viele wie nötig. Das wäre vor ein paar Jahren nicht denkbar gewesen.

Im Juni haben wir unseren kommunalpolitischen Forderungskatalog an die Stadt München in der Tagespresse veröffentlicht. Wir haben mit Politiker*innen darüber geredet, unseren Protest in klare Worte gefasst. Dadurch hat sich das Bündnis »München muss handeln« gebildet, welches inzwischen feste Angestellte hat und aus mehr als 450 unterstützenden Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen besteht. Außerdem gibt es allein in München über 20 For-Future-Gruppen wie beispielsweise die Parents und Scientists For Future. Am Ende des Jahres hat die Stadt München den Klimanotstand ausgerufen und unsere Kernforderung beschlossen, dass nämlich München spätestens 2035 klimaneutral sein soll.

Ich merke außerdem, wie sich nicht nur die öffentliche, sondern auch die persönliche Debatte verändert hat. Nicht selten höre ich in der U-Bahn Menschen über die Klimakrise diskutieren. Manche sagen, 2019 war das Jahr der Proteste. Ich würde es anders ausdrücken: Es war das Jahr der Mobilisierung und der Worte. 2020 wird das Jahr der Proteste und der Aktionen. Wir sind dafür gut aufgestellt. Schon jetzt kommen zu unseren großen Klimastreiks Zehntausende Menschen. So viele junge Menschen wie ich sind politisiert worden.

»Fridays for Future« wird auf jeden Fall aktiv bleiben, auch wenn wir in manchen Städten aufgehört haben, jede Woche zu streiken. Es ist schwer, sich als Graswurzelbewegung neu zu erfinden. Auf die Frage, wie es weitergeht, gibt es viele Antworten. Nicht immer sind wir einer Meinung. Doch der nächste globale Streik ist in Planung. Auf der Weltklimakonferenz habe ich die Kraft von Aktivist*innen aus der ganzen Welt gespürt. Auch andere Bewegungen wie Ende Gelände, Extinction Rebellion, Sand im Getriebe oder Gruppen rund um »Fridays for Future« gehen mit einigen Planungen ins neue Jahr.

Neben dem Frust, der Fassungslosigkeit und dem Schmerz, den viele in Anbetracht der Klimakrise spüren, brauchen wir auch Hoffnung und gute Nachrichten. Und die werden kommen - mit unseren Aktionen. Denn Veränderung fängt unten an. Menschen verändern ihr Denken und Handeln und wirken in ihre Gemeinschaften und Kommunen hinein. Und das kann wieder größeren Wandel anstoßen.

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