Werbung

Unten links

Jeden Morgen komme ich an einer Bushaltestelle vorbei, wo eine Frau wohnt. Unter dem Glasdach, neben den Plastiksitzen, liegt ihre Matratze, darauf ihr gesamtes Hab und Gut - und sie selbst. Man findet Artikel über sie; ich weiß ihr ungefähres Alter, ihren Vornamen und dass sie es ablehnt, in Obdachlosenunterkünfte zu gehen, solange die Temperaturen erträglich sind. Wobei das natürlich sehr relativ ist. Fast immer, wenn ich sie sehe, schaut sie vor sich hin. Neben vielem anderen frage ich mich, ob ihr nicht langweilig dabei ist, immer an dieser Bushaltestelle vor sich hin zu schauen. Manchmal raucht sie, aber sonst beobachte ich sie nie bei etwas, womit man sich gemeinhin die Zeit vertreibt. Nur ein einziges Mal habe ich sie sprechen sehen, mit Kindern, die an der Bushaltestelle warteten. Heute habe ich gedacht, ob nicht das Langweiligste für sie die immer gleichen Menschen sind, die jeden Morgen vorbeikommen, mit ihren verschlafenen und verkniffenen Gesichtern, auf dem Weg zur Arbeit. rst

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!