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Jeden Morgen komme ich an einer Bushaltestelle vorbei, wo eine Frau wohnt. Unter dem Glasdach, neben den Plastiksitzen, liegt ihre Matratze, darauf ihr gesamtes Hab und Gut - und sie selbst. Man findet Artikel über sie; ich weiß ihr ungefähres Alter, ihren Vornamen und dass sie es ablehnt, in Obdachlosenunterkünfte zu gehen, solange die Temperaturen erträglich sind. Wobei das natürlich sehr relativ ist. Fast immer, wenn ich sie sehe, schaut sie vor sich hin. Neben vielem anderen frage ich mich, ob ihr nicht langweilig dabei ist, immer an dieser Bushaltestelle vor sich hin zu schauen. Manchmal raucht sie, aber sonst beobachte ich sie nie bei etwas, womit man sich gemeinhin die Zeit vertreibt. Nur ein einziges Mal habe ich sie sprechen sehen, mit Kindern, die an der Bushaltestelle warteten. Heute habe ich gedacht, ob nicht das Langweiligste für sie die immer gleichen Menschen sind, die jeden Morgen vorbeikommen, mit ihren verschlafenen und verkniffenen Gesichtern, auf dem Weg zur Arbeit. rst

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