Menschenleben retten ist nicht links

Marion Bergermann über Kapitän Claus-Peter Reisch, der an Land bleibt

  • Von Marion Bergermann
  • Lesedauer: 1 Min.

Das kam überraschend. Kapitän Claus-Peter Reisch will vorerst keine Seenotrettungseinsätze mehr fahren. Erst letzte Woche hatte der berühmt gewordene Schiffs-Chef einen Gerichtsprozess in Malta gewonnen. Jetzt möchte er an Land bleiben, bis zwei Gerichtsprozesse in Italien gegen ihn beendet sind. Das sagte er in einem Zeit-Online-Interview. Und vor allem will er nicht mehr mit der Organisation »Mission Lifeline« fahren, deren Aussagen ihm zu linksradikal sind. Reisch, der mehrmals betonte, er habe früher CSU gewählt und gehöre der bürgerlichen Mitte an, war bisher ein charismatisches Beispiel für jemanden, der sich nicht als links versteht und Geflüchteten hilft. Menschenleben retten ist nicht links.

In den Schlagzeilen steht jetzt vor allem Reischs Kritik an der Art des Linksseins der Mission-Lifeline-Mitglieder. Dabei sollte es gar nicht um die Frage, wie links jemand ist, gehen. Das momentane Klima der Kriminalisierung von ziviler Seenotrettung sorgt dafür, dass ein Helfer wie Reisch lieber das Ende von kräftezehrenden Gerichtsverfahren abwartet.

Er muss sich wohl sorgen, von maltesischen und italienischen Behörden anders beurteilt zu werden, wenn man ihn mit Linken in Verbindung bringt. Auch wenn Behörden bisher selten juristisch gegen Seenotretter*innen gewannen: ihre Einschüchterungsversuche haben offenbar Folgen.

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