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Die Ozeane werden hysterisch

Weltmeere erwärmen sich immer schneller - 114 Staaten bessern Klimaziele nach / Unwort des Jahres 2019 ist »Klimahysterie«

  • Von Krut Stenger
  • Lesedauer: 3 Min.
Schmelzender Eisberg im Südpolarmeer
Schmelzender Eisberg im Südpolarmeer

Berlin. Es gibt immer mehr, vor allem rechtsgerichtete Leute in Politik, Wirtschaft und Medien, die Klimaschutzpolitik und die Klimaproteste trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse als Hysterie beschimpfen. Da ihr Einfluss gewachsen ist, hat eine Jury deutscher Sprachwissenschaftler jetzt »Klimahysterie« zum Unwort des Jahres 2019 erkoren. Der Begriff »pathologisiert pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als eine Art kollektiver Psychose«, begründete Jury-Sprecherin Nina Janich, am Dienstag die Wahl. Das Wort stütze in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen.

Den Verharmlosern des Klimawandels dürfte völlig egal sein, was ein Team von 14 Wissenschaftlern aus 11 Instituten verschiedener Länder jetzt herausgefunden hat: Die Erwärmung der Ozeane hat sich zuletzt noch beschleunigt. Bereits bekannt war, dass die Temperaturen an der Meeresoberfläche allein in den vergangenen Jahren um 0,5 Grad Celsius gestiegen sind. Doch selbst bis in zwei Kilometer Tiefe war es im vergangenen Jahr um etwa 0,075 Grad wärmer als im Durchschnitt von 1981 bis 2010, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Studie unter Leitung von Cheng Lijing vom Institut für atmosphärische Physik an Chinas Akademie der Wissenschaften. Obwohl dies wenig klingt: Die Menge an Energie in Form von Wärme, die die Ozeane im Zuge des Klimawandels in den vergangenen 25 Jahren aufgenommen haben, entspreche 3,6 Milliarden Atombombenexplosionen vom Ausmaß wie in Hiroshima.

Außerdem seien mehr als 90 Prozent der Erderwärmung in die Ozeane geflossen. Mit anderen Worten: An Land wären die Temperaturen ohne die Meere in ganz anderem Ausmaß angestiegen als bisher. Doch auch die Ozeanerwärmung hat massive Folgen: Sie ist laut den Forschern einer der Hauptgründe für die verheerenden Waldbrände in Australien, Kalifornien und im Amazonas-Gebiet. In den Meeren drohten zudem Sauerstoffarmut, Schäden für Fische und andere Lebewesen. Thermische Ausdehnung lasse den Meeresspiegel ansteigen. Und das erwärmte Wasser führe zu mehr und stärkeren Wirbelstürmen sowie zu heftigeren Niederschlägen.

Die Folgen lassen sich derzeit an der Ostküste der Philippinen besichtigen, wo Anfang Dezember der Taifun Tisoy wütete und allein in der Stadt Legazpi Hunderte Familien vorrangig aus den Armenvierteln obdachlos machte. Bis heute ist der Wiederaufbau der bescheidenen Häuser nicht abgeschlossen, auf echte Hilfe seitens des Staates warten die Betroffenen bisher vergebens, wie in der »nd«-Reportage nachzulesen ist.

Angesichts der bedrohlichen Entwicklung haben UN-Experten jetzt empfohlen, in den nächsten zehn Jahren 30 Prozent der Landoberfläche und der Ozeane zu Naturschutzflächen zu erklären und rund zehn Prozent unter besonders strengen Schutz zu stellen. Auch die meisten Länder der Welt lassen sich von der angeblichen Klimahysterie anstecken: Bisher haben 114 Staaten zugesagt, bis spätestens zum nächsten Klimagipfel Ende des Jahres in Glasgow ihre nationalen Pläne nachzubessern, wie aus einer aktuellen Liste des UN-Klimasekretariats hervorgeht. Die EU möchte derweil viel Geld in einen Klimafonds packen - die Rede ist von einer Billion Euro. Woher es kommen soll, ist aber unklar. mit Agenturen

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