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Militärmanöver stößt auf Widerstand

Große US-Truppenverlegung nach Europa steht bevor / Kritik an Provokation gegen Russland

  • Von Aert van Riel
  • Lesedauer: 3 Min.
US-Militärkonvois sollen wieder Deutschland durchqueren.
US-Militärkonvois sollen wieder Deutschland durchqueren.

Die größte Truppenverlegung der USA nach Europa seit 25 Jahren steht unmittelbar bevor. Insgesamt 37.000 Soldaten aus 18 Nationen werden mitsamt militärischen Geräten quer durch den Kontinent transportiert. Die Militärübung »Defender Europe 2020« startet in der kommenden Woche mit den ersten Transporten. Der Großteil der Konvois sei dann für Ende Februar und Anfang März geplant, teilten Bundeswehr und US Army mit.

Organisationen der Friedensbewegung und die Linkspartei rufen zu Protesten gegen das Manöver auf. »Diese Großübung ist eine Provokation gegenüber Russland und Ausdruck eines falschen Feindbildes und massiver Geld- und Ressourcenverschwendung«, kritisierte die sächsische LINKE-Abgeordnete Antonia Mertsching.

Für die Truppen geht es in Richtung Osten. Im Rahmen der Großübung sollen testweise rund 20.000 Soldaten von den USA quer durch Deutschland nach Osteuropa verlegt werden. Außerdem sind weitere Übungen in Deutschland, Polen, Georgien und dem Baltikum geplant. Der stellvertretende Kommandeur der US Army Europe, Major General Andrew Rohling, bezeichnete das Militärmanöver als Signal, dass die USA ihrer Verantwortung für Europa und für ihre Partner in der NATO gerecht würden.

Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis der Bundeswehr, wies die Vorwürfe zurück, dass sich die Übung gegen Russland richte. Der offizielle Sprachgebrauch westlicher Militärs lautet, dass man »für eventuelle Krisenfälle gewappnet sein« wolle.

Die Einsatzkräfte und das Material aus den USA werden per Schiff und Flugzeug nach Frankreich, Belgien, die Niederlande und Deutschland gebracht. In Bremerhaven sollen die ersten Transportschiffe am 22. Februar entladen werden. Der Weitertransport nach Polen und in die baltischen Staaten erfolgt per Straße und Schiene.

Die sächsische Linksfraktion kritisierte, dass die Bundeswehr logistische Unterstützung leiste. Der Truppenübungsplatz Oberlausitz werde für Zwischenstopps genutzt und sukzessive zum NATO-Stützpunkt ausgebaut. Zudem sei der Standort Frankenberg in der Nähe von Chemnitz involviert. Die Linksfraktion forderte die schwarz-grün-rote Landesregierung in Dresden dazu auf, gegenüber der Bundesregierung auf die Einhaltung des 1990 geschlossenen Zwei-plus-Vier-Vertrages hinzuwirken sowie sich dafür einzusetzen, »dass die fortgesetzte Nutzung des Territoriums des Freistaates Sachsen als Aufmarsch- und Übungsgebiet von NATO-Streitkräften gegen Russland wirksam unterbunden wird«.

Die Hauptzeit des Manövers wird im April und Mai sein, womöglich auch am 75. Jahrestag der Befreiung am 8. Mai. Der LINKE-Bundestagsabgeordnete Tobias Pflüger bewertete dies als Affront gegenüber Russland. »Die Befreiung vom Faschismus ist ganz entscheidend der Sowjetunion zu verdanken«, erklärte er.

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