• Politik
  • Erinnerungspolitik auf Sardinien

Kein Balkon für Mussolini

Einstige Vorzeigedörfer der italienischen Faschisten haben heute neue Sorgen, aber die Geschichte ist immer dabei

  • Von Benjamin Beutler
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.
Eine Touristin blickt auf den Dorfplatz des neuen Arborea.

»Nein, bloß kein Foto mit dem Duce!«. Die Bürgermeisterin von Arborea scheint kurz davor, die Fassung zu verlieren. Vom Balkon ihres kühlen Büros schaut sie geradewegs auf Versammlungsplatz und Dorfkirche. Ende der 1920er Jahre, der italienische Mussolini-Faschismus saß fest im Sattel, wurde das kleine Dorf mit Palmen und Pinienwäldern, nur einen kleinen Fußweg von Sardiniens feinem Mittelmeer-Strand, als »Villagio Mussolini« aus dem Sumpfmorast gestampft. Um dann, 1930, auf den Namen »Mussolinia« getauft zu werden. Nach ihm, dem Duce - »Führer« der italienischen Faschisten. Manuela Pintus ist Bürgermeisterin dieses geschichtsträchtigen Ortes. Sensibilität ist da ständig gefragt, und bei der Wahl des Fotomotivs will sie auf jeden Fall ein Wörtchen mitreden.

Wie schmal der Grat zwischen Geschichte und Gegenwart hier ist, ist schon kurz zuvor deutlich geworden. Im Café an der Hauptstraße nach der Geschichte der einst faschistischen ...


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