Werbung

Tesla könnte Verkehrschaos produzieren

Verkehrsclub VCD verlangt, dass Arbeiter mit Bus und Bahn oder mit dem Rad in die geplante Fabrik gelangen können.

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Elektromobilität könne einen Beitrag zu einem umweltfreundlichen Verkehr leisten. Sie stelle jedoch weder die wichtigste noch die alleinige Lösung dar, betont der alternativ ausgerichtete Verkehrsclub Deutschland (VCD) in einer Stellungnahme zur geplanten Fabrik des US-Elektroautoherstellers Tesla in Grünheide (Oder-Spree). Bereits 2021 soll die Produktion starten. Von deutlich mehr als 5000 Beschäftigten ist die Rede. Perspektivisch könnten es sogar 10.000 Arbeiter sein, die zur Schicht ins Werk kommen. 500.000 Fahrzeuge der Typen Y und Model 3 sollen pro Jahr vom Band laufen.

»Mehr als 5000 Personen täglich und 500.000 neue Autos jährlich müssen bewegt werden«, bemerkt der VCD-Landesvorsitzende Fritz Viertel. Die geplante Fabrik bringe ein großes zusätzliches Verkehrsaufkommen in eine Region, »die zum Teil jetzt schon erhebliche Verkehrsprobleme hat«. Ohne konsequente Maßnahmen zur Verlagerung des Verkehrs sei durch die Ansiedlung von Tesla mit 8500 zusätzlichen Pkw-Fahrten am Tag zu rechnen. Dazu käme ein erhöhtes Güterverkehrsaufkommen. Dies allein über die Straße abzuwickeln, wäre in der ohnehin schon angespannten Situation im südöstlichen Berliner Umland »katastrophal«, meint Viertel.

Der VCD schlägt vor, den Takt der Regionalexpresslinie 1 auf der Bahnstrecke von Potsdam über Berlin und Erkner nach Frankfurt (Oder) zu verdichten. Statt zweimal pro Stunde sollen die Züge alle 20 Minuten fahren und in Fangschleuse halten. Dann könnten die Beschäftigten auch ohne eigenes Auto zur Arbeit gelangen - vor allem, wenn gleichzeitig die Buslinien als Zubringer entsprechend angepasst und optimiert werden. Fritz Viertel ergänzt: »Um auch das Fahrrad zu einer schnellen und sicheren Alternative zu machen, fordert der VCD mehrere Lückenschlüsse, um den Fabrikstandort an das vorhandene Radwegenetz anzuschließen.« Günstig wären demnach ein Radweg entlang der L 38 nach Westen, eine attraktive Radwegeverbindung nach Erkner und ein direkter Radweg aus Fangschleuse über die Bahnlinie zum Werksgelände.

Für Tesla geht es um Rendite
Mechthild Schrooten über die Standortwahl des US-Autobauers

Um die Klimaziele zu erreichen, sei allein die Umrüstung der deutschen Pkw-Flotte auf den lokal emissionsfreien Batteriebetrieb keinesfalls ausreichend, argumentiert der VCD. Unerlässlich bleibe es, die Zahl der Pkw zu reduzieren. 47 Millionen seien gegenwärtig in der Bundesrepublik zugelassen, davon 2,6 Millionen in Berlin und Brandenburg.

Indes stellte Brandenburgs Linksfraktionschef Sebastian Walter klar, nach der Deindustrialisierung Ostdeutschlands in den 90er Jahren könne man sich eigentlich nur freuen, wenn eine Fabrik angesiedelt werden soll. Doch müsse dies gut überlegt geschehen. Auch verlange die LINKE, dass Tesla Tariflöhne zahlt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!