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Fair und ökologisch auf den Teller

Senat schreibt das Schulessen nach neuen Kriterien aus, die die Caterer einhalten müssen

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 4 Min.
Saisonal, regional und gesund: Das Schulessen in Berlin soll bundesweit Vorbild werden.
Saisonal, regional und gesund: Das Schulessen in Berlin soll bundesweit Vorbild werden.

Die ersten Aufträge für das neue Schulessen stehen bereits auf der Vergabeplattform Berlin. Hier findet sich etwa die Ausschreibung des Bezirks Marzahn-Hellersdorf für die »Herstellung, Lieferung und Ausgabe von Schulmittagessen«. Bis Anfang Februar können Catering-Unternehmen Angebote unterbreiten. In Berlin sind die bezirklichen Schulämter für die Schulessen (siehe Kasten) zuständig, das seit Beginn des Schuljahrs im vergangenen August in den Grundschulklassen 1 bis 6 kostenlos ist.

Mit der Neuausschreibung der Verträge, die vom August 2020 bis Juli 2024 gelten sollen, will Rot-Rot-Grün die Versorgung der Schülerinnen und Schüler in den Grundschulen nun weiter verbessern. »Wir werden noch einmal einen Riesenschritt nach Vorne machen, was die Ausschreibungen angeht«, erklärte Berlins Schulsenatorin Sandra Scheeres am Freitag in der Senatsschulverwaltung in Mitte bei der Vorstellung der neuen Kriterien für die Musterausschreibungen. »Das Essen wird hochwertiger, gesünder und fairer«, verspricht die SPD-Politikerin. Geplant ist beispielsweise, den Bio-Anteil am Mittagessen von derzeit 15 Prozent über 30 Prozent (ab August 2020) bis auf 50 Prozent (ab August 2021) zu steigern. »Das ist deutschlandweit Spitze«, sagte Scheeres. Bereits ab August dieses Jahres sollen alle Stärkebeilagen - also Nudeln, Kartoffeln, Reis - in Bio-Qualität angeboten werden. Reis muss darüber hinaus aus dem fairen Handel stammen. Auch Früchte wie Bananen und Ananas sollen unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt und gehandelt worden sein.

Künftig will Berlin zudem verstärkt auf saisonale Produkte setzen. So sollen die Zeiten, als Erdbeeren aus der Ferne eingeflogen wurden, endlich der Vergangenheit angehören. Zur Erinnerung: Schlecht schmeckende Erdbeeren führten 2014 zum Paradigmenwechsel beim Schulessen: Statt auf billig soll auf Qualität gesetzt werden. Das Credo von Rot-Rot-Grün: »Klasse statt Masse.« Dazu zählt auch, dass etwa Einwegverpackungen vermieden werden sollen. Und durch das Aufstellen von Wasserspendern soll auch die Zeit der kleinen Plastikflaschen endlich vorbei sein.

Wer in Berlin als Schulcaterer zum Zuge kommen will, muss nicht nur gute Qualität bieten, sondern bald auch gute Arbeitsbedingungen. »Verbindlich ist auch ein Vergabemindestlohn von 12,50 Euro«, sagt Scheeres. Auf die nd-Nachfrage, wie die neuen Kriterien kontrolliert werden sollen, heißt es aus der Senatsverwaltung, dass die rechtlichen Kriterien in der Ausschreibung erstmals verbindlich festgeschrieben seien. Man betrete hier »Neuland«. Aber diese Vorgaben könnten nicht unterlaufen werden. Eine Studie der Christlichen Initiative Romero (CIR) zeigt hingegen, dass Caterer verschiedene Winkelzüge nutzen, um die fairen und ökologischen Vorgaben zu unterlaufen. Das soll diesmal durch die Kontrollgruppe in der Senatsverwaltung für Wirtschaft unterbunden werden.

Bei der CIR, die sich für den fairen Handel mit dem globalen Süden einsetzt, ist man unterdessen mit den neuen Musterausschreibungen aus Berlin zufrieden. »Wir freuen uns sehr, dass durch eine erfolgreiche zweijährige Kooperation mit dem Bezirksamt Friedrichshain Kreuzberg nun endlich eine Ausschreibung nach Fairhandels-Kriterien steht«, sagte CIR-Referentin Tabitha Triphaus, die den Senat bei seinem Vorhaben beraten hatte. »Weitere Kommunen sollten dem Beispiels Berlins folgen«, fordert Triphaus.

Weniger euphorisch reagierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf die Neuregelungen. Die Bildungsgewerkschaft begrüßte und lobte zwar die Vorgaben für das Essen, befürchtete aber zugleich, dass bei der Präsentation von mehr Bio und Fair Trade die großen Baustellen beim beitragsfreien Schulessen nicht beleuchtet werden. »Die Kolleg*innen brauchen mehr Personal, geeignete Räume, Lärmschutz«, erklärte GEWLandeschefin Doreen Siebernik. Mehrmals hatte die Gewerkschaft zuletzt auf die Probleme bei der Umsetzung des kostenlosen Mittagessens hingewiesen. Zu viele Schulen könnten die Voraussetzungen für die Mittagpause nicht ermöglichen, hieß es.

Laut einer rbb-Umfrage müssen die Kinder in einigen Schulen in mehreren Schichten nacheinander essen, weil sie nicht alle auf einmal in die Mensen passen. In Neukölln können bisher 470 Schüler noch nicht mit warmem Essen versorgt werden, weil es an geeigneten Räumen fehlt.

Schulsenatorin Scheeres wies die Kritik am Freitag zurück: »Ich wünsche mir eine konstruktive Begleitung«, sagte sie. Und: »Die GEW muss ein Interesse haben, dass jedes Kind ein Schulessen bekommt.«

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