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Der Skandal nach dem Skandal

Jana Frielinghaus findet Rücktrittsforderungen gegen Kardinal Marx berechtigt

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 1 Min.
Missbrauch in der Kirche: Der Skandal nach dem Skandal

Reinhard Marx ist ein so freundlicher und jovialer Typ, dass man ihm Kalkül und Unlauterkeit kaum zutrauen mag. Doch die Vorwürfe, die Christian Pfeiffer gegen ihn erhebt, basieren nicht nur auf Indizien. Und nicht nur der renommierte Kriminologe ist überzeugt, dass die Deutsche Bischofskonferenz alles dafür getan hat, Geistliche, die Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben, vor Strafverfolgung zu schützen. Vielmehr sagen auch katholische Basisaktivisten, dass das Gremium außerdem sicherstellen wollte, dass kein Vorgesetzter bis hin zum emeritierten Papst wegen Vertuschung und Deckung von Tätern belangt werden kann. Dabei haben Kleriker Betroffene, die eine Beschwerde wagten, ignoriert, abgewiesen oder sie gar als Nestbeschmutzer diffamiert - und sich damit letztlich der Beihilfe schuldig gemacht.

Angesichts der Schwere der Verbrechen lässt sich nur ahnen, welch erneute Demütigung das Verhalten von Bischöfen wie Marx und des Missbrauchsbeauftragten Stephan Ackermann für die Opfer bedeutet. Die Würdenträger geben sich beschämt - und zeigen doch erst zehn Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchs Schutzbefohlener durch Priester und andere Kirchenleute überhaupt Bereitschaft, eine unabhängige Aufarbeitung zuzulassen. Ein Rücktritt, wie ihn Pfeiffer fordert, wäre das gebotene Zeichen echter Bußfertigkeit. Dass es dazu kommt, wird wohl ein frommer Wunsch bleiben.

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