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Mehr Schutz für jüdische Einrichtungen

Der Landtag spricht sich für die Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen aus.

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
Kampf gegen Antisemitismus: Mehr Schutz für jüdische Einrichtungen

Am Donnerstag beschloss der Landtag einstimmig, jüdisches Leben in Brandenburg zu fördern und zu schützen. Unter anderem ist das Innenministerium damit aufgefordert, dem Innenausschuss über die Sicherheitslage jüdischer Einrichtungen Bericht zu erstatten. Die Regierung soll die finanziellen Voraussetzungen dafür schaffen, dass zusätzlich nötige Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden können, »ohne dass hierfür Mittel aus den Zuwendungen für Wiederaufbau und Aufrechterhaltung jüdischen Gemeinwesens« verwendet werden müssen. Eingereicht wurde der Antrag von der oppositionellen Linksfraktion gemeinsam mit den Koalitionsfraktionen SPD, CDU und Grüne.

»Jüdisches Leben ist in Gefahr.« Daran hat der Landtagsabgeordnete Andreas Büttner (LINKE) keinen Zweifel angesichts von 514 antisemitischen Übergriffen, die Neonazis in den vergangenen sechs Jahren in Brandenburg verübten.

»Die Shoa bleibt als Versuch der völligen Auslöschung jüdischen Lebens in Europa ein beispielloses Verbrechen in der Menschheitsgeschichte«, hieß es in dem einstimmig beschlossenen Antrag.

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Unzählige Fälle der Verfolgung sind dokumentiert. Zwei Beispiele: Die Jüdin Sofie Meth wurde 1942 deportiert und ermordet. Der Vater ihres Sohnes Otto war kein Jude und so galt Otto Meth unter den Nazis als »Mischling ersten Grades«. Ottos Frau Marie, mit der er seit 1939 zusammen war, konnte er deswegen erst nach der Befreiung heiraten. Im November 1944 war er in ein Zwangsarbeiterlager verschleppt worden, das sich im April 1945 auflöste, als US-Truppen heranrückten. In Werder/Havel betrieb Otto Meth, von Beruf Rundfunkmechanikermeister, ab 1958 eine Radio- und Fernsehreparaturwerkstatt. Bis 1934 hatte er der Sozialdemokratischen Partei Österreichs angehört. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat er in die KPD ein und wurde SED-Mitglied.

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Sein Lebensweg ist nachzulesen in dem Buch »Jüdische Schicksale«. Es ist 2014 erschienen und beschäftigt sich damit, was aus Juden geworden ist, die einst in Werder/Havel lebten oder dort Grundstücke besaßen.

Nachgeforscht hat eine Arbeitsgruppe um Herausgeber Hartmut Röhn. 2011 waren in einem Gedenkbuch des Bundesarchivs für jüdischen Naziopfer nur 18 Namen aus Werder/Havel und dem Ortsteil Glindow verzeichnet. Röhn und seine Mitstreiter haben zu mehr als 200 Personen recherchiert. Ausgangspunkt war 2005 der Brief eines Mannes, der sich bei der Stadtverwaltung nach seinem alten Schulkameraden Hans-Peter Olschowski erkundigte. Er hatte gehört, Olschowski und seine Mutter hätten nicht überlebt - und er wollte Stolpersteine für sie bezahlen. Tatsächlich kam Hans-Peter im KZ Mittelbau-Dora um. Vater Curt und Bruder Heinz überlebten. Curt Olschowski war dann von 1958 bis 1961 SED-Bürgermeister von Werder/Havel, Heinz Olschowski wurde NVA-Offizier.

Hartmut Röhn (Hrsg.): »Jüdische Schicksale«, Lukas Verlag, 178 Seiten, 14,90 Euro

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