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Demo von Pegida nahe Jüdischem Zentrum in München abgesagt

Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde: Unerträglich, dass gegen jüdische Menschen gehetzt werden sollte

  • Lesedauer: 2 Min.
Polizisten stehen vor der Ohel-Jakob-Synagoge. Dort sollte eine Pegida-Demonstration gegen Beschneidung und eine Gegendemonstration des Bündnisses «München ist bunt» stattfinden.
Polizisten stehen vor der Ohel-Jakob-Synagoge. Dort sollte eine Pegida-Demonstration gegen Beschneidung und eine Gegendemonstration des Bündnisses «München ist bunt» stattfinden.

München. Eine für Freitagnachmittag geplante Pegida-Demonstration nahe dem Jüdischen Zentrum in München ist abgesagt worden. Pegida München habe in der Nacht auf Freitag seine Versammlungsanzeige zurückgezogen, teilte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) mit. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zeigte sich über die Absage erleichtert.

»Der Gedanke, dass mitten in unserer Stadt in dieser Art und Weise gegen jüdische Menschen und die jüdische Religion gehetzt werden sollte, ist und bleibt unerträglich«, erklärte Knobloch in München. Oberbürgermeister Reiter rief die Bürger zum Einsatz gegen Antisemitismus auf.

Ursprünglich wollte Pegida am Jakobsplatz - also direkt vor der Synagoge - gegen die Beschneidung von Säuglingen und Kindern demonstrieren. Das Kreisverwaltungsreferat untersagte dies jedoch, erlaubte die Kundgebung aber in rund 100 Meter Entfernung. Das Bündnis »München ist bunt« hatte zu einer Gegendemo aufgerufen und zu einer Menschenkette rund um das Jüdische Zentrum.

Knobloch sagte zu der angesagten Pegida-Demo: »Bei aller Erleichterung gilt aber auch: Es darf nicht sein, dass eine solche Kundgebung nur dank der Absage des Veranstalters nicht stattfindet.« Wenn Judenhass so offen verbreitet werden könne, noch dazu in Sichtweite einer Synagoge und zu Beginn des Schabbat, dann zeige das, dass mit den Gesetzen und ihrer Auslegung etwas im Argen liege. Pegida München sei eine offen antisemitische Gruppierung, die die Erlaubnis bekommen habe, »drei Tage vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag in unmittelbarer Nähe des Jüdischen Zentrums gegen einen Grundpfeiler des jüdischen Glaubens zu demonstrieren«.

Die einstige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland dankte dem Bündnis »München ist bunt« für sein Engagement. Mit seiner umgehenden Ankündigung einer Kundgebung habe es für jüdisches Leben in München ein wichtiges Zeichen gegen Judenhass gesetzt.

Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) würdigte das Engagement: »München ist bunt« habe ein klares Zeichen gegen die geplante Kundgebung, gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit gesetzt. »Ich freue mich, dass unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gerade zu Beginn des Schabbats, das tun können, was selbstverständlich sein sollte: ungestört in die Synagoge zu gehen.« dpa/nd

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