Yusaku Maezawa

Fly me to the Moon

Der japanische Milliardär Yusaku Maezawa hat eine Kontaktanzeige für eine Reise zum Mond geschaltet.

Von Felix Lill

Eine positive Einstellung sollte sie haben, nicht unter 20 Jahre alt sein und für den Weltfrieden muss sie glühen. Frauen, die diese Bedingungen erfüllen, konnten bis Freitag, den 17. Januar ihre Bewerbung einreichen. Die Gewinnerin wird nicht nur die neue Freundin einer ziemlich guten Partie, sondern voraussichtlich im Jahr 2023, gemeinsam mit acht Künstlern, zum Mond fliegen. Chef des Raumfahrtkommandos wird der 44-jährige Yusaku Maezawa, der in der Onlinekontaktanzeige von sich schreibt: »Während allmählich Gefühle der Einsamkeit und Leere in mir aufsteigen, denke ich an eine Sache: eine dauernde Liebe zu einer Frau zu entwickeln.«

Scrollt man auf der Website nach unten, sieht man einen Typen mit strubbligem Haar und Schlabberlook. Das ist Yusaku Maezawa, Multimilliardär, und suchender Single. Laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes hat ihn sein Unternehmen Zozo, eine in seiner Heimat Japan beliebte Onlineplattform für Mode, zu Japans 18.-reichster Person gemacht. So hatte Maezawa genug Geld, um sich für Elon Musks SpaceX-Rakete zehn Tickets zur ersten zivilen Mondreise zu besorgen. Als der kurzgewachsene Mann dies im Herbst 2018 vor laufenden Kameras mit ein bisschen Mühe auf Englisch verkündete, wurde er weltberühmt. Nun macht er erneut Schlagzeilen, weil er nach der Trennung von seiner Freundin, der Schauspielerin Ayame Goriki, nach neuer Begleitung sucht.

Bisher hatte vor allem Maezawas Vorstoß, bis zu acht Künstler mitzunehmen, Aufsehen erregt. Bei einem Treffen in Tokio erklärt er die Idee so: »Ich will sehen, was Künstler der Welt geben können, wenn sie davon inspiriert sind, unseren Planeten aus der Ferne zu sehen. Wie es der Mond jeden Tag tut.« Auf der Liste möglicher künstlerischer Gattungen, die er mit ins Cockpit nehmen könnte, stehen bis jetzt: Filmregie, Malerei, Tanz, Literatur, Musik, Modedesign, Bildhauerei, Fotografie, Architektur. Ein paar Ideen, wen er unbedingt einladen will, habe er auch schon, verrät er aber nicht.

Aber er suche nach Künstlern, die ähnliche Ideale wie seine Traumfrau haben sollten: »Ich mag Künstler, die etwas für den Weltfrieden tun. Manchmal stelle ich mir vor: was wäre gewesen, wenn die politische Elite der USA nach dem 11. September 2001 gemeinsam ›Imagine‹ von John Lennon gehört hätte? Wären sie dann in den Krieg gezogen?« Sie hätten alle noch mal gründlich drüber nachgedacht, vermutet Maezawa. Um möglichen nächsten Kriegen vorzubeugen, brauche man also Kunstwerke, die ein globales Wir-Gefühl stiften. »Welche Inspiration kann dafür besser sein, als die Erde als Ganzes, Zusammenhängendes, Schönes zu sehen?«

Yusaku Maezawa flatterte nicht immer als romantische Friedenstaube umher. Früher sah er mal eher nach Krawall aus. Als ihm die japanische Öffentlichkeit zum ersten Mal etwas Aufmerksamkeit schenkte, war er Anfang 20 und trug weite T-Shirts, schrie laut gegen den Takt. Als Schlagzeuger der Punkband Switch Style, tourte Maezawa mit Schulfreunden durchs Land, war als Rocker fast berühmt. Es blieb aber beim fast.

Parallel zur eigenen Musik ging Maezawa seinem anderen Hobby nach, dem Sammeln seltener Platten, meistens Punk und Rock. Bald begann Maezawa mit ihnen zu handeln, gründete einen Betrieb, der alle möglichen CDs importierte, verkaufte sie durch einen Katalog und verschickte sie per Post an die Kunden. Kurz nach der Jahrtausendwende ging er mit seinem Unternehmen »Start Today« online, ab 2004 vertrieb die Website auch Mode von zunächst 17 verschiedenen Marken. Zozotown, wie die Plattform umbenannt wurde, ging drei Jahre später an die Tokioter Börse und wurde zum heißen Tipp von Investoren und Maezawa ein reicher Mann.

Bevor sich die Möglichkeit der Mondfahrt ergab, fiel ihm als teures Hobby das Kunstsammeln ein. Den bisherigen Höhepunkt erreichte dies im Mai 2017, als Maezawa ein Bild des New Yorker Graffti- und Zeichenpunks Jean-Michel Basquiat ersteigerte. Den Preis, den selbst Experten für viel zu hoch halten, kennt Yusaku Maezawa ganz genau, mit Stolz im Gesicht sagt er: »110 Millionen Dollar!« Und er gesteht: »Als ich das Bild in den Händen hielt, zitterte mein Körper.«

Ähnlich dürfte er gezittert haben als vorvergangenen Freitag die Bewerbungsphase für ein Kennenlernen mit ihm endete und er sich nun die Interessentinnen ansehen kann. An diesem Wochenende entscheidet er, welche der Bewerberinnen er treffen möchte. Und wenn alles gut geht, wird die eine Auserwählte nicht nur Yusaku Maezawas neue Freundin, sondern auch seine Reisebegleitung zum Mond. Doch was macht man da oben, wenn man nicht auf künstlerischer Mission ist, sondern nur als Tourist?

Auf die Frage, was er bei seiner Ankunft als Erstes machen wolle, schießt es aus ihm: »Furzen.« Warum gerade das? »Naja, ich hab einige Berichte der NASA gelesen. Die beschreiben viele verschiedene Dinge und Vorgänge ausführlich. Aber ich weiß noch nichts darüber, was da oben aus einem Furz wird.« Nur, was wäre, wenn der Darm seinem Besitzer ausgerechnet in der Schwerelosigkeit nichts entlocken mag? Irgendein Diätplan, damit nichts schiefgeht? So etwas braucht Yusaku Maezawa, der Romantiker, nicht: »Ist egal, was ich esse. Ich hab sowieso den ganzen Tag Blähungen.«