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Datteln Vier? - Nicht mit mir!

Im Sommer soll das Kohlekraftwerk Datteln 4 in den Betrieb gehen. Fridays for Future mobilisierte am Freitag 500 Menschen dagegen.

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 3 Min.

Datteln ist ein beschauliches Städtchen im Norden des Ruhrgebiets, mit einer langen Tradition der Kohleverstromung. Seit Jahrzehnten stehen hier die Kraftwerksblöcke 1,2 und 3. Sie produzieren vor allem Strom für die Deutsche Bahn. Der Kraftwerksblock 4 sollte schon vor Jahren ans Netz gehen. Klagen von Anwohnern und der Umweltorganisation BUND verzögerten dies. Ganz beendet ist die juristische Auseinandersetzung um das Kraftwerk noch nicht. Trotzdem plant Uniper im Sommer mit dem Regelbetrieb des Kraftwerks zu beginnen. Unterstützung erhält der Energiekonzern dabei von der schwarz-gelben Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Auch die Einigung zwischen Bund und Ländern zum Kohleausstieg gibt grünes Licht für das Kraftwerk.

Dagegen regt sich Widerstand. Von »Ende Gelände« bis zum BUND ist man sich einig, Datteln darf nicht ans Netz gehen. Ein erstes Zeichen des Protests setzten am Freitag mehrere Fridays for Future Gruppen. »Wir können nicht tatenlos zusehen, wenn vor unserer Haustür ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gehen soll, das vollkommen den Empfehlungen der Kohlekommission widerspricht«, so die FFF-Aktivistin Lena Wittekind. Am Freitagmittag dauerte es ein bisschen, bis sich der Neumarkt im Zentrum von Datteln gefüllt hatte, was auch daran liegt, dass das Städtchen keinen Bahnanschluss hat und die Demonstranten aus Münster, Gelsenkirchen, Dortmund und anderen Städten mit Linienbussen angereist waren.

Los ging es dann mit einem kleinen Bildungsprogramm. Dario von Fridays for Future erzählte den Demonstranten vom jahrelangen Gerangel um das Kraftwerk und darüber, wie sich die nordrhein-westfälische Politik dafür stark gemacht hat, den Bau zu verwirklichen. Ska, die aus Datteln stammt, heute in Bochum lebt und den Protest mitorganisiert hat, sagte gegenüber dem »nd«, dass die Demonstration »Ein Start« für »intensiven Protest« in den kommenden Monaten sein soll. In der Stadt, sagt sie, sei die Stimmung »nicht so eindeutig«. Lange Zeit seien viele Menschen für das Kraftwerk gewesen. Das habe sich aber möglicherweise mit dem Erstarken der Klimabewegung geändert.

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Ein Eindruck, der bei der Demo durch die Dattelner Innenstadt nicht unbedingt bestärkt wurde. »Wir sind für unser Kraftwerk«, sagte ein Ladeninhaber in Richtung der Demonstranten. Ein anderer äußerte sich gegenüber dem »nd« differenzierter. »Irgendwo muss der Strom doch herkommen.« Das Kraftwerk sei immerhin sauberer als viele alte Kraftwerke. Deswegen befürworte er die Inbetriebnahme.

Dirk Jansen vom BUND NRW glaubt, dass sich die Stimmung in Datteln noch ändern könne. Eine Siedlung sei gerade einmal 450 Meter vom Kraftwerk entfernt. »Das Thema Kohlekraftwerk ist hier noch gar nicht richtig präsent.« Wenn das Kraftwerk ans Netz geht und den Menschen »die Sonne verdunkelt«, würde ihnen klar werden, was das Kraftwerk bedeute. Die Erkenntnis was dort in die Landschaft gesetzt wurde, werde aber noch steigen, ist sich Jansen sicher. In der Zukunft soll Datteln zu einem »neuen Hotspot« der Klimabewegung werden, erklärt Jansen. Bei der »Fridays for Future«-Demo seien schon viele Umweltorganisationen präsent gewesen, jetzt gäbe es Gespräche darüber wie der Protest weitergeht.

Sorge vor zu viel Protest scheint auch die nordrhein-westfälische Polizei zu haben. Mit mehreren Hundertschaften zeigte sie in Datteln Präsenz, riegelte Straßen und Brücken in Richtung Kraftwerk ab. Auf dem Kanal, neben dem Kraftwerk, schwamm sogar ein Boot der Feuerwehr. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt hatte aber keiner der Demonstranten ein Interesse daran, Brücken zu blockieren oder sich dem Kraftwerk schwimmend zu nähern.

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