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Roter Block an Potsdams Zeppelinstraße

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

In einem Regalfach sind fein säuberlich Materialen aufgestapelt, darunter ein kleines Plakat, auf dem steht: »Kein Sex mit Nazis«. Am Freitagabend wurde die umgestaltete Kreisgeschäftsstelle der Potsdamer Linkspartei neu eröffnet. Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss eines Wohnblocks an der Zeppelinstraße 7 beherbergen auch Wahlkreisbüros der Landtagsabgeordneten Marlen Block und Isabelle Vandré sowie des Bundestagsabgeordneten Norbert Müller.

»Ich bin beeindruckt, was wir hier geschafft haben. Ich habe die Kreisgeschäftsstelle noch nie so schön, so aufgeräumt und gemütlich gesehen«, schwärmt die Kreisvorsitzende Martina Trauth. Ihre dicht gedrängt stehenden Zuhörer lachen. Einige weisen mit gespielter Entrüstung die Darstellung zurück, es sei hier früher unordentlich gewesen, was für noch mehr Gelächter sorgt.

Es gibt insgesamt jedoch nicht allein Grund zur Fröhlichkeit. Nach schlechten Ergebnissen bei den Kommunal- und Landtagswahlen im vergangenen Jahr stehe die Partei »vor großen Herausforderungen«, erinnert der Co-Kreisvorsitzende Roland Gehrmann. Der altgediente Politiker Hans-Jürgen Scharfenberg, der seit 2004 im Landtag saß, hat seinen Wahlkreis im Potsdamer Süden knapp verloren und gelangte deshalb nicht wieder ins Parlament. Die Folge: Sein Wahlkreisbüro Am Stern musste aufgegeben werden. Damit fällt ein wichtiger Stützpunkt weg.

Zwar blieb Isabelle Vandré im Landtag und Marlen Block zog neu dort ein, womit wieder zwei Genossen aus Potsdam dort vertreten sind. Doch weil die Linksfraktion von 17 auf nur noch zehn Abgeordnete zusammenschrumpfte, müssen die beiden jungen Frauen nun zusätzlich Wahlkreisbüros in der Lausitz, in Teltow-Fläming und in Potsdam-Mittelmark unterhalten, weil von dort niemand den Sprung in den Landtag schaffte.

Darum versucht die LINKE, in dem Block an der Zeppelinstraße neue Wege zu gehen. Hier gibt es ab sofort das offene Projektbüro »rotbloq«. Nicht nur Gliederungen der Partei und des Jugendverbandes, sondern auch außerparlamentarische Initiativen und emanzipatorische Bildungsprojekte dürfen Räume für Versammlungen und Veranstaltungen nutzen.

»Ich bin überzeugt, dass es uns gelingt, in diesen schönen Räumen ein niedrigschwelliges Politikangebot zu machen und so vor allem auch junge Leute zu gewinnen«, sagt Kreisparteichefin Trauth. So wird am 13. Februar um 18.30 Uhr die Bürgerinitiative gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche zu Gast sein. Immer am ersten Dienstag eines Monats gibt es künftig ein Nutzerplenum. Geplant sind ein Frauenstammtisch, ein Seniorencafé und Veranstaltungen wie »Sind die Hipster schuld an teuren Mieten?« (27. Februar, 18 Uhr) und »Schattenarmee oder Einzelfälle? Rechte Netzwerke in Bundeswehr und Polizei« (25. Februar, 18 Uhr).

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