Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Nach dem »Schwarzen Sommer«

Australisches Parlament gedenkt der Feuerwehrleute, die bei den Buschbränden gestorben sind

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Stimmung in der ersten Sitzung nach der Sommerpause im australischen Parlament in Canberra am Dienstag war gedrückt. Nur wenige Tage zuvor war die Hauptstadt selbst von Feuern bedroht gewesen; die Sommerpause war für Australiens Politiker alles andere als erholsam.

Buschfeuer stürzten das gesamte Land in eine Krise, es brannte in fast allen Bundesstaaten, 33 Menschen und über eine Milliarde Tiere starben. Premierminister Scott Morrison geriet wegen seines Krisenmanagements in die Kritik, die Bevölkerung lastete ihm einen Urlaub auf Hawaii schwer an. Auch dass er über Neujahr Cricketspieler empfing, während Tausende Menschen vor den Feuern an die Strände flüchten mussten, nahmen ihm die Menschen übel.

Doch am Dienstag trat ein ernster, würdig dreinblickender Premier vor seine Abgeordneten. Er las die Namen all der Feuerwehrleute vor, die im Kampf gegen die Brände ihr Leben verloren haben. Der Feuerwehrchef Shane Fitzsimmons war im Parlament, ebenso wie die Familienangehörigen der neun verstorbenen Feuerwehrleute. Morrison erzählte von einem Becher auf dem Sarg des 32-jährigen Geoffrey Keaton, der neben Andrew O’Dwyer im Kampf gegen das Feuer von Wattle Creek im Bundesstaat New South Wales starb. »Auf ihm standen die Worte: ›Daddy, ich liebe dich bis zum Mond und zurück‹.« Dann sprach er über den 28-jährigen Samuel McPaul, dessen Frau Megan ihr erstes Kind erwartet, und über die drei US-amerikanischen Feuerwehrleute, die starben, als ihr Flugzeug in der Nähe der Snowy Mountains abstürzte.

Morrison erklärte die Katastrophe zum »Schwarzen Sommer 2019/20«. Noch seien die Brände nicht zu Ende und die Gefahr lauere weiter an vielen Orten. Doch jetzt ginge es darum, zu trauern und über den »Schwarzen Sommer« nachzudenken und von ihm zu lernen, sagte der australische Politiker, der als Freund der Kohleverstromung gilt.

Während Morrison eine »Royal Commission« ankündigte, einen Untersuchungsausschuss, der Versäumnisse und Fehler dokumentieren soll, demonstrierten Klimaaktivisten vor dem Parlament für ein größeres Engagement der australischen Regierung in Sachen Klimaschutz. Auch im Inneren des Parlaments loderte die Klimadebatte auf. Während Oppositionspolitiker wie der Sozialdemokrat Richard Marles die Situation als Chance sahen, auf den Klimawandel zu reagieren, forderte die Grünen-Senatorin Larissa Waters konkrete Handlungen: »Der beste Weg, um den verlorenen Leben Tribut zu zollen, wird sein, wenn dieses Parlament morgen an einem echten Plan zur Emissionsreduzierung und zum Übergang zu einer kohle- und gasfreien Zukunft arbeitet«, sagte sie.

Der konservative Politiker Barnaby Joyce, dessen National Party mit der Liberal Party die Regierung bildet, wetterte dagegen in einer Parteibesprechung gegen eine »reaktionäre« Klimapolitik als Reaktion auf die Buschfeuerkrise und warf den Oppositionspolitikern vor, die Tragödie zu nutzen, um das »Steckenpferd« des Klimaschutzes voranzutreiben.

Einige liberale Abgeordnete stellten sich dagegen auf die Seite des Klimaschutzes. So sprach sich Katie Allen für das »ultimative Streben nach CO2-Neutralität« aus. Trent Zimmerman befürwortete die Einführung erneuerbarer Technologien zur Emissionsminderung.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln