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Ein Hauch Sexyness

Andreas Koristka malt sich schon mal aus, wie es ist, wenn Deutschland Atomwaffen hat

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.
Atomwaffen: Ein Hauch Sexyness

Johann Wadephuhl ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag. Er forderte jüngst, dass Frankreich endlich seine Atombomben mit Deutschland teilen soll. Die Gründe dafür sind zum einen, dass Teilen bekanntlich Spaß macht und zum anderen, dass es in deutschem Interesse sei, »dass wir auf die nukleare Strategie Einfluss nehmen können, die uns schützt«. Sollte Frankreich zustimmen, dann wäre dies die späte Genugtuung für unser Land, das man mit einigem Fug und Recht als das Geburtsland der Bombe bezeichnen könnte.

Klar ist, dass, wenn es eine gemeinsame Zusammenarbeit bezüglich der Atomwaffen geben wird, Deutschland auch schon bald allein über die Bomben verfügen wird. Dafür wird das diplomatische Geschick unserer Kanzlerin schon sorgen. Ein Kompromiss hier, eine lange Verhandlungsnacht da, ein mit einer Kartoffelsuppe vergifteter Macron dort - und schon wird Angela Merkel ein rotes Knöpfchen in ihrer Handtasche mit sich herumtragen. Ein Knöpfchen, über das sie sanft die Finger streichen lassen wird, wenn sie während der Plenarsitzungen im Bundestag den Widerworten des frechen sozialdemokratischen Koalitionspartners lauscht.

Andreas Koristka ist Redakteur des Satiremagazins »Eulenspiegel«.
Andreas Koristka ist Redakteur des Satiremagazins »Eulenspiegel«.

Mit diesem Knöpfchen wird man die Leute auch wieder mehr für Politik begeistern können. Es macht eine Bundestagswahl doch wirklich viel spannender, wenn man weiß, dass ihr Sieger die Möglichkeit hat, die Welt in Schutt und Asche zu legen. Ganz neue Handlungsspielräume würden sich ergeben: Nach einer atomaren Apokalypse wäre es zum Beispiel für Friedrich Merz viel einfacher, sein Ziel von der Steuererklärung auf einem Bierdeckel zu verwirklichen (vorausgesetzt natürlich, es gibt dann noch Bierdeckel). Außerdem würde Merz zwischen den postapokalyptischen Riesenmutanten nicht mehr so auffallen.

Annegret Kramp-Karrenbauer würde die Bombe natürlich am liebsten gegen Unisex-Toiletten in Berlin einsetzen. Nur Robert Habeck würde wohl niemals zum atomaren Erstschlag ansetzen. Jedenfalls dann nicht, wenn ein grün-schwarzer Koalitionsvertrag ihn nicht ausdrücklich dazu zwingt. Wenn er das aber doch tun sollte, dann werden vorher selbstverständlich sämtliche Zauneidechsen, Juchtenkäfer und Baumhaus-Hippies am Einschlagsort umgesiedelt. Darauf dürfen sich Habecks sensible Wähler verlassen!

Man sieht, Atombomben würden der deutschen Politik wieder ein gewisses Extra geben, ein Knistern, einen Hauch von wilder Verruchtheit und Sexyness. All das, was ihr momentan fehlt. So eine Wahlentscheidung bekommt einfach mehr Gewicht, wenn ihre Folge sein kann, dass am Ende Beatrix von Storch an der Grenze mit Atomwaffengewalt Flüchtlingen den Einlass verwehrt. Auch Frauen und Kindern? Ja. Oder besser gesagt: Nein. Gegen Kinder ist der Atomwaffeneinsatz richtigerweise nicht zulässig. Frauen sind anders als Kinder verständig. Also, um es kurz zu machen: Frauen ja, Kinder nein.

Das ist ja eigentlich auch nicht so schwer zu verstehen. Ebenso verständlich ist, dass es unglaublich spannend ist, wenn die Bundeswehr mit einer Atombombe ein vorher festgelegtes Ziel bombardieren soll. Wenn man sieht, was die Luftbereitschaft schon mit dem armen Frank-Walter Steinmeier anstellt, wenn sie ihn mal nach Äthiopien bringen soll, dann wird es höchst unterhaltsam anzusehen sein, was passiert, wenn Deutschland ein beliebiges Land bombardieren möchte. Fliegt die Bombe pünktlich um 5.45 Uhr los? Landet sie wegen eines Defekts in Leipzig und wird dort nach zwei Tagen ergebnisloser Reparaturen auf einen Linienflug der Lufthansa umgebucht? Gibt es eine Fehlbuchung und das Ding landet versehentlich in China, und die Kanzlerin muss sich mit hochrotem Kopf in Peking entschuldigen, um die deutsch-chinesische Wirtschaftszusammenarbeit nicht zu gefährden?

Hoffen wir, dass Johann Wadephuhl das hinkriegt!

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