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Liberale stürzen nach Thüringen-Debakel in Umfrage ab

  • Lesedauer: 4 Min.

Berlin. Nach dem Eklat um die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum thüringischen Ministerpräsidenten sind die Liberalen bundesweit in der Wählergunst abgestürzt. Zwischen Montag und Mittwoch ermittelte das Forsa-Institut noch einen Wert von zehn Prozent für die FDP, wie aus dem am Samstag veröffentlichten RTL/ntv-Trendbarometer hervorgeht. Nach der Ministerpräsidentenwahl vom Mittwoch gaben nur noch fünf Prozent der Befragten an, FDP wählen zu wollen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre.

FDP-Chef Christian Lindner hat bei der Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen Fehler eingestanden. »Ich habe die Skrupellosigkeit der AfD im Umgang mit höchsten Staatsämtern unterschätzt«, sagte er der »Bild am Sonntag«. Er habe sich nicht vorstellen können, dass die AfD einen Kandidaten zum Schein aufstelle, um FDP und CDU zu beschädigen. »Im Wissen darum hätte ich Thomas Kemmerich natürlich den Ratschlag gegeben, auf die Kandidatur zu verzichten.«

Der baden-württembergische CDU-Chef Thomas Strobl griff die FDP dagegen scharf an. »Ministerpräsident Kemmerich war nach seinen Stimmen viel mehr AfD als FDP«, kritisierte Strobl. »Für die großen Liberalen - ich denke an Menschen wie Heuss, Genscher, wie Kinkel - ist das eine Beleidigung, wenn man ihn ,Kandidat der Mitte' nennt.«

Der FDP-Politiker Kemmerich war am vergangenen Mittwoch mit Stimmen der AfD zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt worden. Dies löste einen Sturm der Entrüstung aus. Kemmerich trat am Samstag zurück. Er bleibt aber vorerst geschäftsführend im Amt.

Mit Blick auf die bevorstehende Bürgerschaftswahl in Hamburg, bat Lindner die Menschen »um Entschuldigung eines schweren Fehlers«. Die FDP sei in eine taktische Falle geraten, der Wertekompass sei aber intakt. Ihn erschüttere, dass Parteifreundinnen nun als »Nazi-Fotzen« beschimpft und Kinder von FDP-Politikern beleidigt würden. Eine Gleichsetzung von AfD und FDP sei falsch. »Sie nutzt nur dem perfiden Ziel der AfD, die demokratischen Parteien und die politische Kultur zu zerstören.«

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Der zweite große Verlierer in der Umfrage ist demnach die AfD. Die Rechtspopulisten hatten bis zur Wochenmitte einen stabilen Wert bei elf Prozent. Am Donnerstag und Freitag gaben nur noch neun Prozent der Befragten an, die Partei zu wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre - der schlechteste Wert in einer Forsa-Umfrage seit Mitte September 2017.

Keine Auswirkungen haben demzufolge die Ereignisse in Erfurt auf die Umfragewerte der Union. Sie verharrte wie in den vergangenen Wochen bei 28 Prozentpunkten. SPD und Linke verbesserten sich in der zweiten Wochenhälfte um jeweils zwei Punkte, die SPD von 13 auf 15 Prozent und die Linke von acht auf zehn Prozent. Die Grünen verzeichneten bundesweit eine leichte Verbesserung von 23 auf 24 Prozent.

Schon eine Forsa-Umfrage aus Thüringen vom Freitag hatte ähnliche Tendenzen gezeigt: LINKE, SPD und Grüne haben demnach im Freistaat zugelegt. Die FDP und in Thüringen auch die CDU waren dagegen deutlich abgestürzt.

Das Institut Forsa erfragt im Auftrag der Mediengruppe RTL an jedem Werktag die politische Stimmung der Deutschen. Dadurch sei der Stimmungsumschwung zur Wochenmitte deutlich geworden, auch bei der Bewertung der wichtigsten Themen. Demnach war bis Mittwoch die Verbreitung des Coronavirus für die meisten Bundesbürger (54 Prozent) das wichtigste Thema. Donnerstag und Freitag rückten die Vorgänge in Thüringen auf Platz eins, mit 56 Prozent.

Zugleich habe der Unmut darüber, dass Kemmerich nur mit Hilfe der AfD-Abgeordneten Ministerpräsident werden konnte und die Wahl annahm, zu einer deutlichen Mobilisierung der Bürger geführt. Von Montag bis Mittwoch lag der Umfrage zufolge der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen wie in der Vorwoche bei 24 Prozent. Am Donnerstag und Freitag sank dieser Anteil um sieben Punkte auf 17 Prozent.

Die Daten zur Parteienpräferenz wurden von Montag bis Freitag erhoben. Befragt wurden bis Mittwoch 1502 Menschen, am Donnerstag und Freitag waren es 1001 Befragte. Die Fehlerquote lag bei plus/minus drei Prozentpunkten. Agenturen/nd

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