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Atze Schröder, die Nazi-Verbrechen seines Vaters und die Schuld

Netzwoche über eine bemerkenswerte Entschuldigung in einer deutschen Talkshow und die Reaktionen darauf

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 3 Min.
Comedian Atze Schröder reicht Eva Szepesi, Holocaust-Überlebende, im Beisein ihrer Tochter Anita Schwarz die Hand.
Comedian Atze Schröder reicht Eva Szepesi, Holocaust-Überlebende, im Beisein ihrer Tochter Anita Schwarz die Hand.

Der Komiker Atze Schröder hat sich bei der Holocaust-Überlebenden Eva Szepesi für die Nazi-Verbrechen seines Vaters entschuldigt. Schröder gab Szepesi in der Sendung »Markus Lanz« spontan die Hand - sein Vater habe als Soldat die »schlimmsten Sachen« im Krieg gemacht. Szepesi berichtete zuvor in der Sendung über ihre Erlebnisse im KZ Auschwitz.

Man könnte hoffen, dass die Hassnachrichtenmanufakturen und Reaktionskaskaden, die den wenigen öffentlichen politischen Äußerungen solcher Promis in den sozialen Netzwerken folgen, zumindest bei diesem Thema einmal stillstehen.

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Doch die AfD und ihr Gefolge ist sich für nichts zu schade. Auf Twitter greifen zahlreiche User unter dem Hashtag AtzeSchröder den Komiker an. Auch Kreisverbände der AfD mischen mit. Die exakte Diktion dieser Angriffe sei hier außen vor gelassen. Zusammengefasst warf man dem Komiker vor, eine Art Blutschuld zu konstruieren. Die virtuellen Kommentarschreiber wollen nicht zu einer Nation gehören, die Auschwitz verschuldet hat, aber sich trotzdem als Deutsche identifizieren. Es sei ihnen gesagt, dies ist gänzlich unmöglich.

Es gibt nämlich einen großen Unterschied zwischen Geschichte und Geschehenem. Auch wenn die Wörter lebhaft synonym verwendet werden. Geschehenes, auch genannt Vergangenheit, meint die reale, geschehene Wirklichkeit. Geschichte ist das, was daraus gemacht wird. Zum Beispiel die Geschichte der Großeltern im Nationalsozialismus. Geschichte und Geschehenes sind hier schwer miteinander vereinbar, wie eine Studie im Auftrag der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft ermittelt hat.

Mit einer Befragung ermitteln die Forscher, dass 18 Prozent der Deutschen meinen, ihre Vorfahren hätten während des Zweiten Weltkrieges »potenziellen Opfern geholfen, zum Beispiel Juden versteckt«.

Historiker kommen auf andere Zahlen. Rund 10 000 nicht jüdische Deutsche versteckten tatsächlich Juden. Von damals 60 Millionen Deutschen. Nehmen wir einmal an, die Dunkelziffer ist enorm hoch, und verzehnfachen die Zahl der Helfer, so sind das nur 1,66 Prozent, die den gefühlten 18 Prozent gegenüberstehen.

Den Jüngeren sind die Verbrechen ihrer Verwandten zwar nicht als individuelle Schuld anzulasten. Es geht aber um Schuld, die verpflichtet. Um einen historisch geschärften Blick, auch für die aktuellen Entwicklungen. Dazu gehört, sich ein klares Bild über die Verstrickungen der eigenen Familie zu machen. Und Verantwortung zu übernehmen, dort wo man steht. Wie Schröder, wenn er sagt: »Wir dürfen so etwas nie wieder geschehen lassen.« Manchmal erlebt man dann sogar Verzeihen. Szepesi bezeichnete Schröders Geste nach der Aufzeichnung als »absolut außergewöhnlich«. So eine Entschuldigung erlebe sie nur ganz selten, das sei ihr menschlich sehr nahegegangen, sagte die 87-Jährige. Und das ist allemal schöner, als wütend in die Tastatur zu hacken.

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