Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung
  • Berlin
  • Demo gegen sexualisierte Gewalt

Gegen Patriarchat, Staat und System

2000 Frauen, Lesben, Trans, Inter und nicht binäre Personen demonstrieren gegen sexualisierte Gewalt auf linken Festivals

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 3 Min.

Es war ein ungewohntes Bild, das sich am Freitagabend auf der Oberbaumbrücke in Berlin-Kreuzberg bot: Wo sonst Tourist*innen grölend zum nächsten Club wanken, hatten sich rund 2000 Frauen, Lesben, Trans, Inter und nicht binäre Personen (FLINT) versammelt, um gegen sexualisierte Gewalt und für Selbstbestimmung zu protestieren. Männer waren auf der Demo nicht erwünscht - zumindest nicht diejenigen, die auch als solche geboren wurden. Diesen Valentinstag gehörten die Straßen ganz den Frauen*, die unter dem Motto «Rache am Patriarchat» vom Hermannplatz in Neukölln über Kreuzberg bis zur Warschauer Straße in Friedrichshain zogen.

Anlass des Protestes waren Vorfälle auf zwei linken Festivals, die jüngst bekannt geworden waren: Ein Mann hatte auf «Monis Rache» heimlich Kameras in Dixie Klos versteckt und die Aufnahmen von Frauen auf einer Pornoplattform verkauft und zum Tausch angeboten. Auf derselben Plattform waren auch Videoaufnahmen aus den Duschen auf der «Fusion» aufgetaucht. Gegen diese Form der sexualisierten Gewalt gingen jetzt Hunderte auf die Straße - bewusst im Dunkeln, wenn es für FLINT-Personen am gefährlichsten ist. Filmaufnahmen waren bei dem Protest nicht erwünscht, filmende Männer am Straßenrand mussten mit einer Bierdusche rechnen, wenn sie sich nicht daran hielten.

«Auch die linke Szene ist von einer diskriminierungsfreien Feierkultur noch weit entfernt», kritisiert eine Rednerin. «Es ist unsere Entscheidung, wann, wie und mit wem wir unsere Körper teilen», ruft sie unter lautstarkem Jubel. «Raise your voice, my body, my choice» (erhebe deine Stimme, mein Körper, meine Entscheidung«) skandiert die Menge daraufhin in die Februarnacht. »My life is not your porn« ist auf vielen Plakaten zu lesen, »Nichma in Ruhe kacken kamman« steht auf einem anderen Schild. Die Frauen* sind wütend, ihre Wut, betonen sie, resultiere jedoch nicht aus Ohnmacht, sondern aus Stärke und Zusammenhalt. Sie richtet sich gegen das Patriarchat, den Staat und das kapitalistische System. »Übergriffe gegen Frauen und Trans werden oft bagatellisiert und deshalb selten zur Anzeige gebracht. Und falls doch, werden die Verfahren meist eingestellt«, kritisiert eine weitere Rednerin. Sexualisierte Gewalt müsse endlich ernst genommen werden, fordert sie.

Nachdem die Demonstrant*innen die weltberühmte feministische Performance der chilenischen Gruppe »las Tesis« aufgeführt hat, und der Streit darüber beigelegt ist, ob der Titelsong der US-Fernseserie »Gilmore Girls« jetzt feministisch ist oder nicht und gespielt werden darf (darf er), endet die kraftvolle und lautstarke Demo vor dem RAW-Gelände in Friedrichshain. Im Anschluss daran geht es in die Neuköllner Kiezkneipe »Tristeza«, wo die Männer etwas zu essen vorbereitet haben. Allerdings nur im Hintergrund, denn gefeiert wird an diesem Abend ohne Typen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln