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Transfeindliche Gewalt erschreckend alltäglich

Nach sechs Angriffen auf Trans-Personen in nur einer Woche nehmen sich Betroffene die Straße zurück

  • Von Gwendolin Ott
  • Lesedauer: 3 Min.

Innerhalb von nur einer Woche wurden in Berlin in diesem Monat sechs Angriffe auf Trans-Menschen begangen, fünf davon auf Frauen. Damit folgt die Hauptstadt einem traurigen bundesweiten Trend: So ist die Zahl der angezeigten Gewalttaten gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans, inter und andere queere Menschen (LGBTQI*) im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 52 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der queerpolitischen Sprecherin der Grünen, Ulle Schauws, hervor. Die Dunkelziffer sei vermutlich noch deutlich höher, befürchtet das schwule Anti-Gewalt Projekt Maneo.

»Eine Anzeige zu stellen heißt, sich selbst outen zu müssen, die gewaltvolle Situation zu berichten und dadurch auch erneut zu erleben, womöglich erniedrigende oder übergriffige Fragen zur eigenen Person über sich ergehen zu lassen«, erklären Julia Holzmann und Henri Vogel dem »nd«. Dies sei ein hoher Preis für einen Brief von der Staatsanwaltschaft, in dem stehe: Täter*in nicht ermittelbar, Verfahren eingestellt. So ist zumindest die Erfahrung vieler Trans-Menschen, wenn sie zur Polizei gehen, um Anzeige zu erstatten. Nur die wenigsten gehen daher überhaupt diesen Schritt, so Holzmann und Vogel. Beide haben selbst schon Homophobie, Frauen- und Transfeindlichkeit erlebt. Sie organisierten daher die Demonstration für queere Sichtbarkeit am Sonntag in Neukölln.

Sebastian Stipp, Ansprechperson der Berliner Polizei für Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie trans- und intergeschlechtliche Menschen, sieht die Ursache des Misstrauens gegenüber der Polizei auch in dem homofeindlichen Paragrafen 175, der erst in den 90er Jahren abgeschafft wurde. »Wir wollen zeigen, dass wir bunt sind, auch innerhalb der Polizei«, sagt Stipp dem »nd«. Das verdeutliche etwa das LSBTI-Netzwerk der Polizei sowie verschiedene Aktionen wie Kiezrunden und Benefizkonzerte. Auch ein Tagesseminar zu Gewalt an LSBTIs in der Ausbildung und zweistündige Fortbildungen sollen Abhilfe schaffen.

Doch viele Probleme sind zu komplex, um durch diese Ansätze gelöst zu werden. So wird die sexuelle und geschlechtliche Identität von Betroffenen von der Polizei nicht pauschal erfasst, um keine Parallelen zu den »rosa Listen« aus den 90er Jahren von damals illegalisierten Homosexuellen zu riskieren. Das führt dazu, dass Straftaten nur dann als Hasskriminalität gemeldet werden, wenn Beamt*innen sie auch als solche einschätzen.

»Beamt*innen, die zu einem Einsatz gerufen werden, erkennen die Formen der Diskriminierung häufig nicht, denen LGBTQI* ausgesetzt sind«, kritisieren Holzmann und Vogel. Oft gebe es seitens der Polizei keine Hinweise zu Opferberatungsstellen. Eher werde versucht, den Betroffenen eine Anzeige auszureden.

Auch die Politik hat bei dem Thema viel Nachholbedarf: Seit November arbeiten verschiedene Parteien daran, den Gleichstellungsartikel im Grundgesetz in Bezug auf die sexuelle Identität zu ergänzen. Über das derzeitige Transsexuellengesetz wird ebenfalls seit Monaten heiß diskutiert. Bisher müssen Trans-Menschen, um beispielsweise ihren Namen offiziell ändern zu dürfen, eine Therapie machen, in der sie ihren »Zwang« unter Beweis stellen müssen.

Im Kampf um die Gleichberechtigung und Akzeptanz unterschiedlicher geschlechtlicher und sexueller Identitäten gibt es noch einiges zu tun. Dabei ist jede*r Einzelne gefragt: »Es muss common sense sein, dass es genauso ein Unding ist, uns auf offener Straße zu bespucken, anzupöbeln, zu schlagen und zu bedrohen, wie eine ältere Dame oder einen Vater mit Kinderwagen«, so Vogel.

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