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Krisenzentrum Krankenhaus

Das Klinikpersonal arbeitet in Italiens vom Coronavirus betroffenen Regionen am Limit

  • Von Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: 4 Min.

Das neuartige Coronavirus hat Italien fest im Griff. Im Norden des Landes - von Turin über Mailand bis nach Venedig - breitet sich die Infektion aus. Bis Montagnachmittag waren bereits über 200 Fälle von Personen gemeldet worden, die positiv auf das Virus getestet wurden, aber die Anzahl ändert sich stündlich. Sechs Todesfälle waren zu verzeichnen, alles ältere Menschen, die auch unter anderen, zum Teil sehr schweren Krankheiten litten.

Noch immer ist nicht klar, wo der Anfang dieser Ansteckungsfälle zu suchen ist, wer zuerst mit dem Virus in Kontakt kam - aber dies steht inzwischen auch nicht mehr im Vordergrund. Die besondere Grippe ist jetzt eine »italienische« Krankheit, und viele Experten sind sich einig, dass sie sich nicht mehr leicht aufhalten lässt. Auch wenn jetzt vor allem Norditalien betroffen ist, dürfte sich die Infektion demnächst auch auf die anderen Landesteile und andere europäische Länder ausweiten. Die Krankheit wurde in Italien trotz der Vorsichtsmaßnahmen, die schon seit Tagen greifen, erst entdeckt, als schon viele Personen, manche symptomfrei, damit herumliefen.

Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen die Krankenhäuser. Seit Tagen finden sich dort Patienten ein, die augenscheinlich nur harmlose Atembeschwerden oder Grippesymptome aufweisen. Dort haben Corona-Infizierte möglicherweise andere Patienten und vor allem Krankenhausmitarbeiter angesteckt.

Das ist eines der schwerwiegendsten Probleme, das Italien nunmehr hat: Es ist einfach nicht möglich, alle Ärzte, Pfleger und das Putzpersonal in Quarantäne zu stecken. »Wir müssen sowieso schon Doppel- und Dreifachschichten schieben«, erklärt eine Krankenschwester aus Codogno - die 15 000-Einwohner-Stadt in der Lombardei nahe Piacenza ist einer der Orte, die mehr oder weniger von der Außenwelt abgeriegelt sind. Die Frau, die anonym bleiben möchte, berichtet, dass sich viele ihrer Kollegen aus Angst vor Ansteckung krankgemeldet haben. »Das Personal fehlt an allen Ecken und Enden.« Wer jetzt noch arbeite, versuche natürlich, sich so gut wie möglich zu schützen. »Alle 24 Stunden machen wir einen Test, aber besonders aussagekräftig ist der ja auch nicht. Ich persönlich verbringe auch meine arbeitsfreien Stunden hier im Krankenhaus, damit ich wenigstens meine Familie nicht anstecke. Aber lange geht das nicht mehr gut.«

Die Behörden fordern inzwischen Personen mit Grippesymptomen dazu auf, auf keinen Fall die Krankenhäuser aufzusuchen und sich stattdessen an besondere Notfalleinheiten zu wenden, die dann testen, ob es sich tatsächlich um das neuartige Virus handelt. Außerdem wird jedem Kranken geraten, sich freiwillig zu »isolieren«. Überhaupt sollen die Italiener, vor allem in den betroffenen Gebieten, »soziale Aktivitäten« meiden. Deshalb wurden hier Kindergärten, Schulen und Universitäten erst einmal geschlossen, Klassenreisen, Kirchenzeremonien und Karnevalveranstaltungen abgesagt. In vielen Büros ist man so weit wie möglich auf Heimarbeit umgestiegen, aber die Fabriken produzieren weiter, und auch die Läden sind geöffnet.

Die Behörden und der Großteil der Presse versuchen, der aufkeimenden Panik entgegenzuwirken. Auch die Politik mit Ausnahme der rechtsradikalen Lega von Matteo Salvini, die in vielen norditalienischen Regionen die Ministerpräsidenten stellt, versucht, Polemiken zu vermeiden. Ärzte und Wissenschaftler wiederholen unermüdlich, dass das Coronavirus keine besonders gefährliche Krankheit verursacht. Sie verlaufe oft fast symptomfrei, die Sterberate sei sehr gering, und bisher seien ausschließlich Menschen betroffen, deren Immunsystem durch unter andere Krankheiten geschwächt sei.

Aber diese Strategie funktioniert nur zum Teil. So verzeichnete die Mailänder Börse am Montag einen Rückgang von fast vier Prozent. In einigen Gegenden wurden Supermärkte durch Hamsterkäufe leer gefegt. Und es gibt eine Spekulation mit Desinfektionsmitteln und vor allem mit Atemmasken. Diese sind fast überall ausverkauft. Die Preise sind von einem Tag zum anderen in die Höhe geschnellt. Im Onlinehandel kosten Atemmasken heute pro Stück bis zu 20 Euro - und das, obwohl Ärzte immer wieder sagen, dass sie praktisch nutzlos sind. Auf einer der großen Plattformen kostet eine Schachtel mit fünf Masken 190 Euro - laut Werbung sind sie »besonders gut gegen das Coronavirus geeignet«. Die Regierung will jetzt gegen solche Geschäftemacher vorgehen.

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