Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
nd-Leserreise

St. Petersburg aus anderem Blickwinkel

Eine nd-Leserreise anlässlich des 150. Geburtstages von Wladimir Iljitsch Lenin

Von Heidi Diehl

Als Lenin im Frühling 1917 nach drei Jahren im Schweizer Exil nach einer abenteuerlichen Bahnreise endlich in Petrograd ankam, waren es nur noch wenige Monate bis zur Oktoberrevolution, die den 47-Jährigen über Nacht als Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare zum Regierungschef Russlands machte. »Ein steiler Aufstieg aus dem Keller an die Macht«, sagte er, »mir dreht sich der Kopf.«

Am 22. April 2020 jährt sich zum 150. Mal der Tag, an dem Wladimir Iljitsch Uljanow, wie Lenin richtig hieß, in Simbirsk an der Wolga geboren wurde. Er gilt als Begründer der Sowjetunion, wurde geliebt, gehasst, bejubelt und verfolgt.

Anlässlich seines Geburtsjubiläums will sich »neues deutschland« mit Interessierten auf den Spuren des Politikers und Revolutionsführers nach Sankt Petersburg begeben, in die nach Moskau zweitgrößte Stadt Russlands, die von 1924 bis 1991 Lenin zu Ehren Leningrad hieß. Fünf Tage lang können Sie, begleitet von dem profunden Russland-Kenner und nd-Autor Wladislaw Hedeler, Stationen des Lebens und Wirkens Lenins in der Stadt kennenlernen, die gern auch als Wiege der Revolution bezeichnet wird.

Selbstverständlich werden Sie auch den legendären Panzerkreuzer »Aurora« besichtigen. Als Kriegsschiff der ehemaligen Kaiserlich-Russischen Marine erbaut, erlebte er zwischen 1904 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine wechselvolle Geschichte. Am 25. Oktober 1917 gab er mit einem Schuss das Signal zum Sturm auf das Winterpalais - Symbol für den Beginn der Oktoberrevolution. Jetzt liegt die »Aurora« als Museumsschiff vor der Kadettenakademie am Ufer der Newa.

Lenin fand nach seiner abenteuerlichen Rückkehr aus dem Schweizer Exil im August 1917 Zuflucht im Haus der Familie Parviainen in Jalkala. Seit 1940 ist es ein Museum, das auch auf dem Plan der Besichtigungstour steht. Danach geht es weiter auf ein Schiff, um die wunderschöne Stadt bei Kaffee und Kuchen aus der Wasserperspektive auf sich wirken zu lassen.

Auch Rasliw ist eng mit Lenin verbunden. Es ist die Bezeichnung für eine Siedlung und Bahnstation an der Primorski-Eisenbahnlinie, 32 Kilometer von Sankt Petersburg entfernt. Hier hielt sich Wladimir Iljitsch Lenin 1917 nach dem gescheiterten Juliaufstand für kurze Zeit im Haus der Familie Jemeljanow versteckt. In einer Laubhütte am Rasliwer See, die die »Entdeckungsreisenden« ebenfalls besichtigen werden, verfasste er mehrere revolutionäre Schriften. Heute ist die Siedlung ein südlicher Ortsteil der Sankt Petersburg unterstellten Stadt Sestrorezk.

Doch natürlich ist Sankt Petersburg viel mehr als nur ein Ort der Revolution. Die nördlichste Millionenstadt der Welt an der Newabucht am Ostende des Finnischen Meerbusens gilt als »Perle des Nordens«. Erbaut wurde die Stadt 1703 von Peter dem Großen auf Sumpfgelände nahe dem Meer, um den Anspruch Russlands auf Zugang zur Ostsee durchzusetzen. Der Zar ließ sie nach dem Vorbild von Paris und Florenz errichten.

Prächtige Architekturdenkmäler und Museen mit unermesslichen Schätzen haben die Stadt zu einem weltweit bekannten Sehnsuchtsziel gemacht. Der Schlossplatz mit dem Winterpalais, die Isaak-Kathedrale, die Peter-Paul-Festung und der Newski-Prospekt gehören zu den meistbesuchten Orten in Sankt Petersburg.

Während einer ganztägigen Stadtrundfahrt werden auch Sie viele der berühmten Stätten sehen: Sie besichtigen die Peter-Paul-Festung, den berühmten Wolkow-Friedhof, auf dem sich die Grabstätten vieler berühmter Schriftsteller, Dichter, Künstler und Wissenschaftler befinden. Anfang des 18. Jahrhunderts als nur 2000 Quadratmeter große Armenbegräbnisstätte gegründet, erstreckt sich der Friedhof heute über 26 Hektar. Während der deutschen Belagerung Leningrads von 1941 bis 1944 wurden auf dem Wolkow-Friedhof Zigtausende Menschen in Massengräbern bestattet.

Diese besondere Reise anlässlich des 150. Geburtstages von Wladimir Iljitsch Lenin bringt Ihnen die Stadt von ganz verschiedenen Seiten näher. Selbst wenn Sie schon einmal in Sankt Petersburg waren - so haben Sie die Stadt garantiert noch nicht gesehen.