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Wer Wind sät, wird Sturm ernten

Wer das Auto von AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla angezündet hat, ist unklar. Für die Partei ist dennoch eindeutig, wer dahinter steckt

  • Von Christian Klemm
  • Lesedauer: 2 Min.

Noch ist nicht klar, wer den Brand des Autos von AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla zu verantworten hat. Das aber hält Parteifunktionäre und ihre Sympathisanten nicht davon ab, »Linksterroristen« und ihre angeblichen Verbündeten in den Medien die Schuld in die Schuhe zu schieben. »Ich appelliere daher an alle Journalisten und Politiker: Mäßigen Sie sich endlich in Ihren verbalen Attacken gegen die AfD. Extremisten verstehen diese als Aufforderungen zu schlimmsten Straftaten!«, erklärte Chrupallas Parteifreund Jörg Meuthen. Ähnlich äußerte sich der Bundestagsabgeordnete Frank Pasemann. Er schrieb auf Twitter: »Heute Nacht hat kriminelles Dreckspack den Familien-Pkw von Tino Chrupalla auf dessen Privatgrundstück angezündet.« Und Harald Laatsch, der für die AfD im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, sagte: »Mit der Lüge von Hanau hat der Staatsfunk den Boden für Gewalt und Spaltung der Gesellschaft aufbereitet.«

Wartet erst die Polizeiarbeit ab, möchte man den Voreiligen zurufen, bevor ihre lauthals herumkrakeelt! Der polizeiliche Staatsschutz prüft derzeit einen politischen Hintergrund. Doch die Propagandaabteilung der Rechtspartei hat schon längst zum Angriff geblasen.

Dabei haben AfD-Mitglieder Brandanschläge in jüngster Vergangenheit zum Teil sogar begrüßt - zumindest, wenn es die aus ihrer Sicht Richtigen trifft. Und das sind vor allem Aslysuchende aus den Krisenländern dieser Erde. So ist auf Twitter folgendes Zitat eines AfD-Mitgliedes zu finden: »Brennende Flüchtlingsheime sind kein Akt der Aggression.« Oder: »Ich würde niemanden verurteilen, der ein bewohntes Asylantenheim anzündet.«

Aus diesem Grund sind Aussagen von AfD-Spitzenfunktionäre, dass Gewalt kein Mittel zur politischen Auseinandersetzung sein kann, nur wenig glaubhaft. Die Rechtspartei hat nämlich nicht nur dazu beigetragen, dass sich der Diskurs in diesem Land Stück für Stück nach rechts verschoben hat. Sie hat selbst gezündelt - auch wenn sie davon nichts wissen will.

Chrupalla wurde im vergangenen Dezember zum Nachfolger von Alexander Gauland an die Spitze der AfD gewählt. Seine Kandidatur war damals unter anderem vom Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke unterstützt worden. Er ist somit ein Parteichef von Höckes Gnaden. Auch das ist ein Indiz, wo Chrupalla politisch einzuordnen ist.

Es ist und bleibt falsch, dass - wenn es denn so war - der politische Gegner Autos von AfD-Politikern anzündet. Zu groß ist die Gefahr, dass Menschen dabei zu Schaden kommen. Doch bereits im Alten Testament hieß es: »Wer Wind sät, wird Sturm ernten.« Der Sturm war am Sonntagabend heftig. Zu heftig. Aus dem Nichts aber kam er nicht.

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