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Streikfrühstück statt Sonntagsbraten

Feministen riefen am 8. März in verschiedenen Städten dazu auf, die reproduktive Arbeit niederzulegen

  • Von Nina Böckmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Sonntag zogen Tausende bunt und laut durch die Straßen deutscher Städte. In diesem Jahr fiel der Sonntag auf den 8. März. Internationaler Frauentag, Weltfrauentag oder Frauenkampftag. Nicht zufällig trägt dieser Märztag eine Vielzahl von Namen. Seit 1911 wird der 8. März als »Internationaler Tag der Frauen« begangen. Zuerst hatte dieser in Dänemark, den USA, der Schweiz, Österreich und Deutschland stattgefunden. Primäres Ziel war damals die Einführung des Frauenwahlrechts. Zudem wollte man auf weitere Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aufmerksam machen.

Mittlerweile ist der 8. März auch ein Tag, an dem die Frauenbewegung auf ihre Erfolge zurückblicken kann. Sie haben etwa das Frauenwahlrecht und das Recht auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung erkämpft.

Im vergangenen Jahr wurde der 8. März in Berlin zum offiziellen Feiertag erklärt. Der Frauentag geht auf die Initiative von sozialistischen Organisationen zurück. Noch heute ist er ein wichtiges Datum im Kalender von kapitalismuskritischen Feminist*innen. Sie fordern finanzielle Gleichberechtigung. Denn nach wie vor ist es gängig, dass FLINT*-Personen (Frauen, Lesben, Inter, Non-Binary, Trans) für dieselbe Arbeit schlechter entlohnt werden als männliche Kollegen.

Unter dem Motto »Wenn wir streiken, steht die Welt still«, haben daher nun von Leipzig bis nach Nürnberg Feminist*innen ihren Unmut über die existierenden Ungleichbehandlungen auf die Straßen gebracht. So rief der »feministische Streik« in Leipzig alle FLINT*-Personen dazu auf, die reproduktive Arbeit niederzulegen, die auch an den vermeintlich arbeitsfreien Sonntagen anfällt. Ziel sei es, auch auf diese Arbeit aufmerksam zu machen, die zumeist im Privaten verrichtet wird und deswegen wenig Beachtung findet. Die Überlegung ist simpel: keine reproduktive Arbeit am Sonntag, kein Sonntagsbraten. Stattdessen begannen die FLINT*-Personen den Tag mit einem Brunch, streikten und demonstrierten im Anschluss in der Leipziger Innenstadt.

In Frankfurt am Main riefen das Frauen*streikbündnis und »Fridays for Future« gemeinsamen dazu auf, bereits am Freitagnachmittag zu demonstrieren. Rund 200 Personen folgten dem Aufruf. Die Verbindung von Klimakämpfen und feministischen Anliegen sei naheliegend, so die Veranstalter*innen. Es seien vor allem Frauen*, welche in höherem Maße durch die Klimakrise betroffen sind. Auch am Samstagabend fand eine Demonstration statt. Unter dem Titel »Reclaim the Night« hatte sich ein Bündnis formiert, welches eine »Frauen*nachtdemonstration« organisierte. Ziel der nächtlichen Demonstration war, auf die nach wie vor erhöhte Gefährdung von FLINT*-Personen während der nächtlichen Stunden aufmerksam zu machen und sich den nächtlichen Raum zurückzuerobern.

Alle cis-Männer, deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, waren von der Vorabenddemonstration wie auch von den meisten anderen Aktionen im Rest der Republik ausgeschlossen. Letztlich rief man auch in Frankfurt am Sonntag zum Streik auf.

Auch in Bremen waren die Aktivist*innen früher dran. Das lokale Frauen*streik-Bündnis rief zu einem Sitzstreik am Freitagnachmittag auf. Unter dem Slogan des »aktiven Mittagsstreiks« wollte man darauf aufmerksam machen, wer meistens für die Zubereitung des Mittagessens verantwortlich ist. Hierzu waren FLINT*-Personen aufgefordert, sich zur Mittagszeit auf einem Stuhl niederzulassen. Entweder auf dem Domshof in der Bremer Innenstadt oder vor der eigenen Haustür. Der Sonntag wurde auch hier mit einem Streikfrühstück eingeleitet. Von der Nachttanzdemo am Samstagabend bis zum sonntäglichen feministischen Sitzstreik und der anschließenden Demo setzte man auch in Nürnberg auf verschiedene Formen des Protests.

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