Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Corona

Runterfahren

sieben tage, sieben nächte über Corona und die Folgen

Von Stephan Fischer

Derzeit wird überall heftigst auf die Bremse getreten. Schulen werden geschlossen, das kulturelle öffentliche Leben ist bereits durch Absagen zum Erliegen gekommen, die Kanzlerin empfiehlt den Menschen, »ihre sozialen Kontakte so weit wie möglich einzuschränken«. Die Interaktion der Gesellschaft wird bewusst radikal runtergefahren.

Es bedarf keiner besonderen Prophetie um vorherzusagen, dass diese Pandemie sowohl das Beste als auch das Schlimmste im Menschen hervorrufen wird. Sie wird massive Einschränkungen und Solidarität erfordern und gleichzeitig zeigen, wo die Grenzen dessen liegen. Ein erstes Beispiel: Tschechien hatte angekündigt, seine Grenzen zu Deutschland mit Beginn des Wochenendes zu schließen. Schnell bildeten sich Staus an den Grenzen - viele Menschen wollten noch schnell ins Nachbarland fahren, günstig tanken und Zigaretten kaufen. Wegen der Ersparnis von ein paar Euro für jeden Einzelnen wird also die grenzüberschreitende Interaktion, die die Grenzschließung genau verhindern will, weil sie als gefährlich für national organisierte Gesundheitssysteme betrachtet wird, noch einmal heftig verstärkt: Jeder Einzelne findet derzeit bestimmt noch sehr gute Rechtfertigungen, warum ausgerechnet für ihn oder sie eine Ausnahme von den bisher meist nur empfohlenen Verhaltensregeln gelten soll.

Als die größte Ausnahme von allen betrachtet sich zweifelsohne Donald Trump. Der regiert ein sozial- und gesundheitspolitisches Katastrophengebiet. Und dann kam Corona. Erst Verharmlosung und Spott seitens des US-Präsidenten, dann die große Keule samt Einreisesperre gegen die EU. Außer gegen Großbritannien, da dessen Bürger scheinbar dank eines Serums namens »Brexit forte« immun gegen Corona sind.

Nun ist das Kreisen um die eigene Person und die fortwährende Bestätigung der Einzigartigkeit derselben Kern westlicher, kapitalistischer Gesellschaften - ohne diese könnten nicht massenhaft individuelle Bedürfnisse geschaffen und kapitalisiert werden, die vom Individuum als »sofort« und »unbedingt« zu befriedigen betrachtet werden. Extrapolation sowie das Erfassen exponentieller Abläufe liegen Menschen dagegen nicht so. Exemplarisch zu sehen bei zwei gleichzeitigen Ereignissen in der vergangenen Woche: Während aus Italien erschütternde Berichte von Ärzten publik werden, laut denen diese angesichts mangelnder Kapazitäten bereits Menschen sterben lassen, umgehen Fußballfans in Paris und Mönchengladbach - ihren Fußball lassen sie sich nicht nehmen! - die Anordnung von Geisterspielen und versammeln sich vor den Stadien. Rebellische Attitüde wahrscheinlich inklusive. Nun, einem Virus sind Verharmlosung, Spott und jedwede Attitüde ziemlich egal, so wie jedes Menschliche fremd. Das muss schon von den Menschen selbst kommen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung