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BER-Eröffnung profitiert von Corona

Neuer Airport soll wie geplant an den Start gehen / Finanzhilfen für Berliner Flughäfen gefordert

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit der faktischen Einstellung des Urlaubsverkehrs wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stehen den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld schwere Zeiten bevor. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) hält trotzdem am geplanten Eröffnungstermin den neuen Hauptstadtflughafen BER am 31. Oktober 2020 fest. Am Fahrplan zur Inbetriebnahme ändere sich nichts, versicherte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Donnerstagabend im Anschluss an eine FBB-Aufsichtsratssitzung.

Allenfalls das bereits Ende 2018 gestartete sogenannte Orat-Programm müsse angepasst werden. Dabei handelt es sich um einen international etablierten Standard bei der Inbetriebnahme von Flughäfen. Es beinhaltet auch den Probebetrieb, bei dem ab Ende April Tausende Komparsen die Abläufe am neuen Flughafen testen sollten. »Wir werden vielleicht die Anzahl der Personen, die an dem Testbetrieb teilnehmen, verringern«, sagte Lütke Daldrup. »Und wir werden den Testbetrieb auch ein bisschen mehr elektronisch organisieren.«

Der Flughafenchef geht davon aus, dass es auch im Herbst, wenn der BER an den Start gehen soll, noch ein geringeres Verkehrsaufkommen als in normalen Zeiten geben wird. »Das wird natürlich auch die Inbetriebnahme insgesamt vereinfachen, weil wir nicht unter Volllast eröffnen müssen«, sagte der FBB-Chef. Bis Ende März würden alle technischen und baulichen Mängel abgearbeitet, damit der Tüv seine Berichte darauf aufbauen könne. Allerdings seien zurzeit weniger Tüv-Mitarbeiter auf der Baustelle, einige von ihnen stünden unter Quarantäne. Das werde aber den Prozess der Abnahme nicht beeinträchtigen, versicherte Lütke Daldrup.

Die Lage an den bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld ist nach Einschätzung von Lütke Daldrup dramatisch. »Der Flugverkehr ist eingebrochen«, sagte er bei einer per Livestream geschalteten Pressekonferenz nach der Sitzung. »Wir hatten in den letzten Tagen etwa noch ein Viertel des Verkehrs, wie wir ihn gewohnt sind. Und wir haben damit zu rechnen, dass der Verkehr auch noch weiter zurückgeht.« Die gesamte Luftverkehrswirtschaft und damit auch die Flughäfen stünden in den nächsten Monaten vor großen Herausforderungen. Für die FBB bedeute das natürlich zunächst, dass man auf die Gesundheit aller Mitarbeiter achten und für ihren Schutz sorgen müsse.

Die Geschäftsführung betonte allerdings auch, dass die Flughäfen systemrelevante Infrastrukturen sind, die gerade in der Krise für die stabile Grundversorgung der Hauptstadtregion eine wichtige Rolle spielen. Ganz im Gegensatz zum Passagierverkehr nehme der Frachtverkehr in dieser Situation zu – man denke nur an die Sicherstellung einer stabilen Medikamentenversorgung, so Lütke Daldrup.

»Wir wollen die Flughäfen am Netz behalten«, stellte der FBB-Chef klar. »Wir haben uns in den letzten Tagen bemüht, die Teile der Infrastruktur aus der Nutzung zu nehmen, die aufgrund des einbrechenden Verkehrs nicht benötigt werden. Wir werden uns auf jeweils ein Terminal an den Flughäfen konzentrieren, aber diese auch als systemwichtige Infrastruktur weiter bereitstellen.«

Die Flughafengesellschaft benötige als öffentliches Unternehmen in dieser kritischen Phase vorübergehend staatliche Unterstützung, forderte der Flughafenchef. Aufsichtsrat und auch die Gesellschafter – die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund – hätten ihre Unterstützung zugesagt. Konkrete Zahlen können man aufgrund der unsicheren Lageeinschätzung bislang aber nicht nennen.

Der Aufsichtsrat verlängerte am Donnerstag den Vertrag von Engelbert Lütke Daldrup um ein Jahr bis März 2022. Ebenfalls beschlossen wurde der Businessplan für 2020, der für die Jahre 2021 bis 2024 Finanzmittel von insgesamt 792 Millionen Euro vorsieht. Sie sollen zur Hälfte über den Finanzmarkt aufgenommen werden und zur anderen Hälfte von den Gesellschaftern kommen.

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