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Egal, ob Polizei oder Bundeswehr: Wenn es um die Bewachung von Geflüchteten-Unterkünften geht, sollte ein martialischer Auftritt tabu sein.
Kontra

Retraumatisierung vermeiden

Daniel Lücking über Bewacher in Kampfanzügen

Von Daniel Lücking

Viele Menschen spüren bereits nach wenigen Tagen die Auswirkungen von eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Je kleiner die Wohnung und je größer die Anzahl der Personen darin, desto belastender kann der Alltag werden. In den letzten Wochen wurde aus »Nicht raus wollen« ein »Nicht raus können« und in letzter Konsequenz bekommen wir es vermutlich mit einem »Nicht raus dürfen« zu tun. Schnell zerren eingeschränkte Sozialkontakte und das Zusammenleben auf engstem Raum an den Nerven. Ein Lagerkoller droht.

Für viele Geflüchtete, die teilweise seit Jahren in Sammelunterkünften leben, dürften diese Zeiten doppelt schwer sein. Sie müssen ohnehin mit weniger Raum, weniger Komfort auskommen als der Rest der Gesellschaft. Mancherorts ähnelt die Kasernierung den Lagersituationen, die viele während ihrer Flucht in Libyen, Marokko oder in Griechenland aushalten mussten. Traumapsychologen sind in Deutschland ohnehin knapp.

Mit uniformiertem Militär als Sicherung der Einrichtungen konfrontiert zu sein, sollte vor allem denjenigen nicht zugemutet werden, die Kriegshandlungen erlebt haben. Ohnehin: Kampfmontur und Waffen sind an diesen Orten, wo sonst ein unbewaffneter ziviler Wachdienst zum Einsatz kommt, nicht nötig. Lässt sich der Einsatz von Soldat*innen bei einer Überlastung ziviler Strukturen nicht mehr vermeiden - und vieles spricht dieser Tage für eine solche Entwicklung - dann doch bitte ziviles Wachpersonal priorisiert in und an Gefüchtetenunterkünften einsetzen. Die Flecktarn-Fraktion kann in solchen Fällen dort Hilfe leisten, wo ein Kontakt zu Kriegstraumatisierten nicht stattfindet.

Dieser Text ist Teil einer Debatte. Lesen sie die Gegenposition: Uwe Kalbe findet, dass in Krisenzeiten auch Geflüchtete die Militärpräsenz dulden müssen.