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Kuba macht wegen Corona die Grenzen dicht

Während der Inselstaat bei der Medikamentensuche ganz vorn mit dabei ist, brechen ihm wichtige Einnahmen weg

  • Von Andreas Knobloch, Havanna
  • Lesedauer: 4 Min.

Ab diesem Dienstag dürfen wegen der Corona-Pandemie keine Touristen mehr nach Kuba kommen. »Wir werden die Einreise regulieren und nur noch Kubaner und Einwohner ins Land lassen«, sagte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel am Freitag und kündigte weitere Schutzmaßnahmen gegen das Virus an. Zudem müssen sich die Personen, die über Dienstag hinaus nach Kuba einreisen dürfen, zunächst in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Bis Sonntagabend gab es 35 bestätigte Corona-Fälle auf Kuba.

Die neuen Regeln sollen zunächst für 30 Tage gelten. Die noch gut 60 000 im Land verbliebenen Touristen, darunter knapp 5000 Deutsche, sollen im Laufe der Woche ausreisen. Die meisten Hotels würden geschlossen. »Es wird nur noch die Abreise von Touristen geben. Es werden keine Touristen mehr kommen«, sagte Premierminister Manuel Marrero. »Es ist keine Grenzschließung, es ist eine Einreisebestimmung.« Bereits in der vergangenen Woche waren Kultur- und Sportveranstaltungen abgesagt worden. Schulen und Geschäfte dagegen bleiben vorerst geöffnet. Restaurants müssen ihre Kapazitäten um 50 Prozent reduzieren. »Soziale Distanzierung«, also Abstand halten, ist das Gebot der Stunde.

Gleichzeitig ist Kuba ganz vorne bei der Bekämpfung des Virus mit dabei. Am Sonntag schickte Havanna ein 52-köpfiges Team aus Ärzten und Pflegern nach Italien. Sie sollen in der Lombardei, dem aktuellen Brennpunkt der Corona-Krise, eingesetzt werden, teilte das Gesundheitsministerium in Havanna mit. Das kubanische Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIGB) verfügt über ein Impfstoffdesign, das gegen das neuartige Coronavirus eingesetzt werden könnte, erklärte der Direktor für biomedizinische Forschung am CIGB, Gerardo Guillén, gegenüber der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina. Man arbeite mit virusähnlichen Partikeln, die das Immunsystem stark stimulieren können. China habe man den Vorschlag gemacht, in dem gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungszentrum in Youngzhou an dem Impfstoff zu forschen.

Kubanische Ärzte waren in China früh in die Bekämpfung der Corona-Krise eingebunden. Das rekombinante antivirale Interferon alfa 2B (IFNrec), ein führendes Biotechnologieprodukt Kubas, war dort neben anderen Medikamenten zur Behandlung von Corona-Patienten eingesetzt worden – mit guten Resultaten.

»Interferon ist ein therapeutisches Produkt, es ist kein Impfstoff«, sagte Eduardo Martínez, Präsident des staatlichen Biotechunternehmens BioCubaFarma, vergangene Woche und trat damit Gerüchten in den sozialen Netzwerken entgegen, dass Kuba ein Heilmittel gegen die Pandemie besitze. Das Arzneimittel wird in dem kubanisch-chinesischem Joint Venture ChangHeber in Changchun in China sowie in Havanna hergestellt. Es kommt durch HIV verursachte Virusinfektionen sowie Hepatitis Typ B und C zum Einsatz. Darüber hinaus ist es bei Therapien gegen verschiedene Krebsarten wirksam.

Eulogio Pimentel, Generaldirektor des CIGB, erklärte, dass es derzeit ausreichend Interferon gebe für die Fälle, die vermutlich in den nächsten drei bis sechs Monaten in Kuba auftreten werden. Darüber hinaus, so versicherte Pimentel, könne man auch in Europa, Afrika, Asien und weiten Teilen Lateinamerikas die steigende Nachfrage an dem Medikament befriedigen.

Doch zunächst sind die am Dienstag in Kraft tretenden Einreisebestimmungen ein harter Schlag für die sich ohnehin schon in einer schweren Krise befindende Wirtschaft des Landes. Denn der Tourismus des Landes dürfte damit zunächst komplett zum Erliegen kommen. Dabei hängt der Großteil des kubanischen Privatsektors direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Taxifahrer, Zimmervermieter, Reiseführer, Restaurants – allen bricht das Geschäft weg.

Auch deutsche Reiseveranstalter auf Kuba stehen angesichts der Coronakrise vor dem Ruin. Der Saarländer Martin Staub vom E-Bike-Anbieter Cubyke bietet in diesen Tagen seine letzten Touren an. »Für April und Mai sind alle Buchungen storniert«, sagt er. »Das ist existenzbedrohend.« Die Kosten liefen weiter, die Einnahmen aber seien bei null. »Hier auf Kuba könnten wir das vielleicht ein paar Monate durchhalten.«

Seine Mitarbeiter gehen bis auf weiteres in unbezahlten Urlaub; der kubanische Staat, über den sie bei ihm angestellt sind, verzichtet auf Zahlungen und zeigt sich auch sonst entgegenkommend. »Das Problem sind der Fahrradladen und die Werkstatt in Deutschland«, sagt Staub. »Lieferverträge müssen bezahlt werden, die Angestellten...« Wie es weitergeht, weiß derzeit niemand – weder in Deutschland noch auf Kuba.

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