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Hotelzimmer statt Pappkarton

Initiativen fordern Unterbringung obdachloser Menschen, Senat will Angebote der Kältehilfe verlängern

Wer kein Zuhause hat, kann in der Coronakrise auch nicht dort bleiben. Obdach- und wohnungslose Menschen trifft die Aufforderung, die Wohnung nicht zu verlassen, auf zynische Weise und besonders hart. In den derzeit noch geöffneten Notunterkünften lassen sich vielleicht Hygienemaßnahmen durchsetzen, aber ein Abstandsgebot ganz sicher nicht, sagt Martin Parlow vom Berliner Arbeitskreis Wohnungsnot dem »nd«. Der Sozialarbeiter arbeitet selbst in einer Notunterkunft für obdachlose Männer und weiß wovon er spricht: Das Infektionsrisiko sei hier besonders hoch - auch für die Beschäftigten. »Tests werden meines Wissens nach nicht durchgeführt.«

Parlow kritisiert nicht nur, er hat auch einen praktischen Lösungsvorschlag parat: »Viele Hotelbetten stehen jetzt leer, es mangelt nicht an Räumen«, sagt Parlow. Er fordert daher die umgehende Unterbringung von Obdachlosen in Hotels. Hier gäbe es Möglichkeiten zur Isolation und individuelle Waschmöglichkeiten.

Die meisten Einrichtungen der Kältehilfe schließen nach Plan bereits Ende März, manche haben schon jetzt zu. Auf Vorschlag von Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) wurden deshalb am Dienstag neue Angebote für insgesamt 350 von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffene Menschen beschlossen. 200 von ihnen können vorerst in der Jugendherberge in der Kluckstraße in Berlin-Mitte Aufnahme finden, 150 weitere in der bisherigen Kältehilfeeinrichtung in der Storkower Straße. Neue Angebote müssten allein schon aus Gründen des Infektionsschutzes mehr bieten als eine Notübernachtung, betonte Breitenbach schon vor einer Woche. »Wir brauchen Plätze in Zimmern, hauptamtliche Sozialarbeitende, ein Catering, Security, Drogenhilfe und auch eine extra Betreuung für psychisch kranke Menschen«, so die Senatorin. Insbesondere die Suchtproblematik müsse man im Blick haben.

»Das ist gut, aber es reicht nicht«, findet Martin Parlow. Eine solche Maßnahme könne nur eine Säule im Kampf gegen die Ansteckungsgefahr obdachloser Menschen und auch für ihre Sicherheit sein. »Jetzt ist die Gelegenheit, mit Hotels zu verhandeln, Gutscheine in den Unterkünften auszuteilen und zu sagen: Geht dorthin, ruht euch aus.« Parlow nennt auch die in seinen Augen geeignete Struktur, um dies umzusetzen: »Wir haben doch eine Task Force von der Nacht der Solidarität. Die muss jetzt weitermachen.«

Auch Barbara Breuer von der Stadtmission findet, es brauche schnelle und unkomplizierte Kooperationen. Breuer lobt den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der am Montag die Vermittlung von Gästen aus der Tagesunterkunft City Station am Bahnhof Zoo in Unterkünfte organisiert hat, die im Rahmen des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG) zur Verfügung stehen. Deren Nutzung durch wohnungs- und obdachlose Menschen muss der zuständige Bezirk anweisen. »18 von 19 Menschen, die eine Unterkunft brauchten, konnten untergebracht werden«, zeigt sich Breuer erleichtert. Die City Station bleibt bis auf die Ausgabe von Essenspaketen am Abend geschlossen.

Auch andere Akteure der Obdachlosenhilfe suchen intensiv nach Lösungen, um Betroffenen die Zeit der Coronakrise zu erleichtern. Der Verein Karuna hat eine Hotline freigeschaltet, die sieben Tage die Woche 24 Stunden für Menschen auf der Straße erreichbar ist. Neben der Einrichtung von Essensausgaben soll den Angaben zufolge außerdem jede bedürftige Person ohne Voraussetzung eine Soforthilfe von zehn Euro ausgezahlt bekommen.

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