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Offiziell mehr als 250.000 Corona-Infektionen in Europa +++ Acht Länder fordern Ende von Sanktionen vor G20-Gipfel

Der Newsblog zur Coronakrise - Donnerstag, 26.03.2020

  • Lesedauer: 6 Min.
Ein gesperrter Spielplatz in Leipzig
Ein gesperrter Spielplatz in Leipzig

14 Uhr: Hannover-Messe wird vollständig abgesagt
Die zunächst auf Juli verschobene Hannover Messe ist nun vollständig abgesagt worden. Umfassende Einreisebeschränkungen, Kontaktverbote und eine Untersagungsverfügung der Region Hannover hätten die Ausrichtung der größten Investitionsgütermesse der Welt in diesem Jahr unmöglich gemacht, teilte die Hannover Messe am Donnerstag mit.

Es ist das erste Mal in der 73-jährigen Geschichte der Messe, dass die Veranstaltung nicht ausgerichtet wird. Die Veranstalter lassen die Messe jedoch nicht gänzlich ausfallen. »Der Bedarf an Orientierung und Austausch ist besonders in Krisenzeiten wichtig«, erklärte Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe. »Deshalb arbeiten wir gerade mit Hochdruck an einer digitalen Informations- und Netzwerkplattform der Hannover Messe, die wir schon in Kürze für unsere Kunden öffnen werden.«

13.20 Uhr: Offiziell mehr als 250.000 Corona-Infektionen in Europa
Europaweit ist die Zahl der offiziell gemeldeten Coronavirus-Infektionsfälle auf mehr als 250.000 gestiegen. Mehr als die Hälfte der Fälle wurden in Italien und Spanien registriert, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP vom Donnerstag ergab. Die Zahl der Todesfälle stieg europaweit auf 14.640.

Insgesamt wurden nach Behördenangaben in Europa inzwischen 258.068 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen, fast 74.400 davon in Italien und über 56.000 in Spanien.

Damit ist Europa der am stärksten von der Pandemie betroffene Kontinent. An zweiter Stelle folgt Asien mit 3636 offiziell bestätigten Todesfällen und mehr als 100.000 Infektionsfällen. In der zentralchinesischen Provinz Hubei war das Virus im vergangenen Dezember erstmals aufgetreten.

11.20 Uhr: Drogeriemarktkette: Mangel an Toilettenpapier bald beendet
Der Chef der Drogeriemarktkette dm, Christoph Werner, macht Hoffnung auf ein baldiges Ende des Toilettenpapiermangels in den Regalen. Er sei sicher, dass das Phänomen nur kurzzeitig auftrete, sagte er dem »Handelsblatt«. In Gaststätten und Hotels werde derzeit nichts verbraucht. »Die Produktion muss also nur umgeleitet werden, der Nachschub ist gesichert.«

Mit Blick auf Hamsterkäufe und leere Regale beklagte Werner zum Teil massive Anfeindungen gegen Mitarbeiter in den etwa 2000 dm-Filialen. »Auch ich habe bitterböse Briefe erhalten: Zum Beispiel, wie sich unsere Mitarbeiter erdreisten könnten zu reglementieren, wie viel Toilettenpapier man kaufen dürfe.«

10.05 Uhr: Acht Länder fordern Ende von Sanktionen wegen Corona-Krise
Kurz vor einem Video-Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der führenden Wirtschaftsmächte (G20) zur Corona-Krise wird die Forderung nach Aufhebung von Sanktionen lauter. Russland, China, Syrien, Iran, Nordkorea, Venezuela, Nicaragua und Kuba dringen in einem Brief an UN-Generalsekretär António Guterres darauf, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag meldete. Diese Strafmaßnahmen untergrüben den Kampf gegen das Coronavirus, heißt es darin. Vor allem die Beschaffung von medizinischer Ausrüstung und Medikamenten sei deshalb schwierig.

Guterres solle sich dafür einsetzen, dass Sanktionen sofort und vollständig aufgehoben werden, schrieben die Länder demnach in dem gemeinsamen Brief. Der UN-Generalsekretär hatte zuvor angesichts der Pandemie einen weltweiten Stopp aller Kampfhandlungen gefordert. Strafmaßnahmen haben zum Beispiel die USA und Europa verhängt.

In Deutschland rief Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann die USA dazu aus, angesichts der schweren Lage im Iran die Sanktionen gegen das Land zu lockern. Das sollte zumindest vorübergehend gelten, damit Teheran wirtschaftlich in der Lage sei, »mehr zu aktivieren, um die Krisensituation zu meistern«, sagte der SPD-Politiker in der RTL-Sendung »Frühstart«.

09.15 Uhr: Ortschaften in Sachsen-Anhalt abgeriegelt: Mehr als 7000 Menschen dürfen Häuser nicht verlassen
In Sachsen-Anhalt sind zwei Ortschaften abgeriegelt worden. Die Ortsteile Jessen und Schweinitz der Stadt Jessen (Elster) können seit Donnerstagmorgen bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr betreten oder verlassen werden, wie aus einer Anordnung des Landrats des Landkreises Wittenberg hervorgeht. Die Bewohner müssen demnach in ihren Wohnungen oder Häusern bleiben und dürfen draußen nur von ihnen allein genutzte Grundstücksflächen betreten.

Die »Selbstversorgung mit lebensnotwendigen Gütern« ist erlaubt, sofern die Bewohner keine Erkältungssymptome haben. In Jessen und Schweinitz leben laut der Internetseite der Stadt Jessen mehr als 7000 Menschen. Die neuen Vorschriften gelten bis zum 10. April.

Nach Angaben des Landkreises gibt es in einem Pflegeheim in der Stadt einen Coronavirus-Ausbruch. Elf Bewohner seien erkrankt, drei befänden sich im Krankenhaus. Auch fünf Mitarbeiter seien erkrankt. »Eine Ausbreitung des Erkrankungsgeschehens war mit den bisherigen Maßnahmen nicht zu unterbinden«, hieß es weiter.

08.40 Uhr: Regierung rechnet mit 2,1 Millionen Kurzarbeitern
Die Bundesregierung rechnet nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit etwa 2,1 Millionen Kurzarbeitern in der Corona-Krise. »Darauf bereiten wir uns erst einmal vor«, sagte BA-Vorstand Christiane Schönefeld der »Neuen Osnabrücker Zeitung« vom Donnerstag. »Aber wir nehmen auch in den Blick, dass die Zahlen deutlich höher sein könnten.«

Die BA wolle für jedes Szenario eine Antwort haben, sagte Schönefeld weiter. Die Behörde lasse sich »aber von den großen Zahlen bezüglich Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit nicht irritieren. Wir arbeiten stattdessen konsequent daran, immer mehr Mitarbeiter an den entscheidenden Stellen einzusetzen.«

Bei den Arbeitsagenturen sind demnach normalerweise 900 Beschäftigte im Bereich Kurzarbeit tätig. Inzwischen seien 2000 zusätzliche Kräfte für diese Aufgabe identifiziert worden, die nun sukzessive die bisherigen Teams verstärken sollen, sagte Schönefeld der Zeitung.

08.10 Uhr: Russland setzt Flugverkehr ins Ausland aus
Russland setzt von diesem Freitag an fast alle Flugverbindungen ins Ausland wegen der Coronavirus-Pandemie aus. Das wies die Regierung in Moskau der Staatsagentur Tass zufolge am Donnerstag an. Davon ausgenommen seien Flüge, mit denen im Ausland festsitzende Russen in ihre Heimat zurückgeholt werden sollen. Nicht betroffen von der Regelung sind Inlandsflüge. Der Flugverkehr etwa nach Deutschland war zuletzt bereits deutlich zusammengestrichen worden. So flog die Fluggesellschaft Aeroflot lediglich noch Berlin an.

In Russland haben sich nach offiziellen Angaben bislang (Stand vom Mittwoch) 658 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Das Virus war bislang bei drei gestorbenen Menschen nachgewiesen worden. Wladimir Putin hatte die kommende Woche als arbeitsfrei erklärt, um die Ausbreitung der Lungenkrankheit einzudämmen.

Linke-Fraktionschef fordert einmalige Vermögensabgabe

Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch hat zur Finanzierung der Milliardenkosten in der Corona-Krise eine einmalige Vermögensabgabe auf große private Vermögen gefordert. Bartsch sagte der Deutschen Presse-Agentur: »Wer wird die aktuelle Krise bezahlen? Die Re-Finanzierung der Hilfspakete ist bisher ungeklärt. Es darf nicht sein, dass die neuen Staatsschulden - wie nach der Bankenkrise - von den Bürgern damit bezahlt werden, dass an der öffentlichen Infrastruktur gespart wird.« Das Grundgesetz sehe im Artikel 106 das Mittel einer einmaligen Vermögensabgabe vor.

Der Neoliberalismus tötet
In der aktuellen Coronakrise wird deutlich: Der Rückzug des Staates aus dem Gesundheitswesen hat viele Tote gefordert, meint Ingar Solty.

»Die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg verlangt eine besondere Solidarität derjenigen, denen es sehr gut geht«, sagte Bartsch. »Wir brauchen in dieser schwierigen Zeit nichts dringender als gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eine einmalige «Corona-Abgabe» auf große private Vermögen ist dafür geboten.«

Die Bundesregierung will mit beispiellosen milliardenschweren Hilfsprogrammen in der Corona-Krise Arbeitsplätze und Unternehmen retten. Der Bundestag beschloss am Mittwoch zur Finanzierung einen Nachtragshaushalt, der neue Schulden in Höhe von 156 Milliarden Euro vorsieht.

Agenturen/nd

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