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Atommülltransporte trotz Corona

Linke und Grüne kritisieren Vorhaben des Konzerns Urenco als »unverantwortlich«

  • Lesedauer: 3 Min.

Nahezu das gesamte öffentliche Leben steht in Deutschland im Angesicht der Corona-Pandemie still. Nur noch lebensnotwendige Geschäfte haben geöffnet. Und auch in der Wirtschaft hat der Virus erhebliche Auswirkungen, wie die Produktionsstopps bei mehreren Autobauern zeigen.

Keinen Einfluss dagegen soll die Krise auf das Geschäft mit Atommüll haben. Anti-Atom-Initiativen befürchten, dass schon in der kommenden Woche - wie alle drei Wochen - ein Zug mit radioaktivem Abfall die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau verlassen könnte. Einmal quer durch Nordrhein-Westfalen, unter anderem durch das dicht besiedelte Ruhrgebiet, ginge es dann in die Niederlande, wo der Uranmüll auf ein Schiff verladen und nach Russland transportiert werden würde. Das Ziel: eine Atomanlage des Konzerns Rosatom in Nowouralsk, in der Russland nach Angaben von Greenpeace schon mehr als eine Millionen Tonnen Uranhexafluorid lagert.

Der Energiekonzern Urenco will zwar keine Angaben zu »konkreten Transportdetails« machen. Was das Unternehmen allerdings auf nd-Anfrage bestätigt: »Sowohl die Produktions- als auch die Transportprozesse der Urenco Deutschland GmbH finden weiterhin wie geplant und ohne Unterbrechungen statt.« Im Klartext: Trotz der Coronakrise wird in Gronau weiterhin Uran angereichert und der Uranmüll quer durch die Welt verschickt.

Auf den möglichen Atommülltransport hatte als erstes der »Arbeitskreis Umwelt Gronau« aufmerksam gemacht. Es könne nicht sein, dass während die »gesamte Gesellschaft« aufgerufen sei, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, »ein Konzern wie Urenco mit seinen deutschen Anteilseignern RWE und EON mehrere hundert Tonnen Atommüll« transportiert, so Udo Buchholz. Besonders weist er daraufhin, dass für einen solchen Transport Polizei eingesetzt werden müsse und die örtlichen Feuerwehren und Krankenhäuser Schutzmaßnahmen vorhalten müssten. Deswegen haben sich mehrere Anti-Atom-Initiativen an den nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) gewandt. Sie fordern den Minister auf, Urenco im »Sinne der Allgemeinheit« zu einem Transportverzicht zu verpflichten. Dies würde einen gesellschaftlichen Konflikt »entschärfen«.

Der Linke-Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel sieht die Urantransporte aus Gronau generell kritisch und fordert ein »umfassendes Uranexport-Verbot«. Die »Atommüllschiebereien« nach Russland seien eine unverantwortliche »Billig-Entsorgung«. Den Transport hält Zdebel für eine »irre Gefahr«, mit der die Bevölkerung zusätzlich belastet werde.

Die Grüne-Landtagsabgeordnete Wibke Brems sagt auf nd-Anfrage, es sei »nicht richtig«, wenn in der aktuellen Zeit »vollkommen unnötige Atomtransporte« stattfinden. Es sei »unverantwortlich«, wenn die derzeit »schon über Gebühr belasteten Krankenhäuser« mit den Verletzten eines möglichen Unfalls konfrontiert würden. Auch für die Polizei stelle der Schutz eines solchen Transportes eine »unnötige Zusatzbelastung« dar, so die Grünen-Politikerin. Urenco nutze die aktuell massiven Einschränkungen des Demonstrations- und Versammlungsrechts »schamlos aus«. An die nordrhein-westfälische Landesregierung richtet Brems den Appell, »dieses Spiel« nicht mitzuspielen.

Eine Anfrage dieser Zeitung an die nordrhein-westfälische Landesregierung, in der unter anderem danach gefragt wurde, ob es Gespräche über eine Absage der Transporte gibt, ob diese möglicherweise verboten werden und wie die Sicherheitsvorkehrungen in Zeiten der Corona-Pandemie zu rechtfertigen seien, blieb unbeantwortet.

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