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Olympischen Spiele

Ideal wird’s nicht

Die Verschiebung der Olympischen Spiele ins nächste Jahr bringt viele Probleme mit sich.

Von Oliver Kern

Los geht’s! Auf Englisch: »Here we go!« Viel Zeit blieb offenbar nicht für die Suche nach einem guten Titel für die Taskforce, mit der das Internationale Olympische Komitee (IOC) nach einem neuen Termin für die Sommerspiele in Tokio sucht - und nach Lösungen für die vielen Probleme, die mit der Verschiebung ins Jahr 2021 einhergehen. Diese hatten Japans Premierminister Shinzo Abe und IOC-Präsident Thomas Bach am Dienstag beschlossen. In einem Punkt stimmt der Task-Force-Titel: Viel muss sofort angegangen werden, denn mit jeder weiteren Verzögerung werden die Probleme nur größer.

Der neue Termin ist wohl das dringendste. Die Überlegungen seien »nicht nur auf die Sommermonate beschränkt«, sagte Bach diese Woche. Schon wurde über Spiele während des japanischen Kirschblütenfests im Frühjahr spekuliert. Viele Athleten würde das ob der niedrigeren Temperaturen sicher freuen. Realistisch ist das Szenario aber nicht. Da viele ausländische Touristen zur Kirschblüte anreisen und schon jetzt Hotels gebucht haben, bekäme Olympia ein Unterbringungsproblem.

Zudem sind im April weltweit Profiligen in den olympischen Sportarten aktiv - sollte die Ausbreitung des Coronavirus’ bis dahin wieder Spiele zulassen. Dass sie eine Olympiapause in den Kalender einbauen, ist illusorisch. Allerdings müssten auch im Sommer Events für Olympia weichen: Bei den Weltmeisterschaften der Schwimmer in Fukuoka und der Leichtathleten in Eugene zeichnet sich immerhin schon eine Verschiebung ins Jahr 2022 ab. Darunter könnten dann wiederum die European Championships 2022 in München leiden. Auch die Fußball-EM der Frauen 2021 muss wohl verschoben werden, wenn Britinnen, Niederländerinnen und Schwedinnen gleichzeitig um Olympiagold kämpfen wollen.

Auch bei Spielen im Sommer 2021 hätte das Organisationskomitee Tokios (OK) noch ein Unterbringungsproblem, denn die Wohneinheiten im Olympischen Dorf, die 11 000 Athleten Platz bieten, sollten ab September 2020 in 4000 Appartments umgebaut und an bereits feststehende Käufer übergeben werden. Die Wohnungen zu blockieren, ist juristisch schwierig. »Wir brauchen Kompromisse von allen Beteiligten«, sagte Thomas Bach. »Ideale Lösungen« könne er aber nicht versprechen.

Manches ist einfacher zu lösen. Die Altersbeschränkung bei den Fußballern etwa könnte einfach um ein Jahr angehoben werden. Bereits verkaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit oder werden erstattet und später neu verkauft. Und schon qualifizierte Athleten müssen fürs nächste Jahr nicht noch einmal ihre sportliche Güte unter Beweis stellen.

Einige für Olympia geplante Sportstätten sind dagegen im fraglichen neuen Zeitraum schon von anderen Veranstaltern gebucht. Hier müsste wohl entschädigt werden. Länger genutzte, temporäre Stadionbauten verursachen auch Zusatzkosten. Alles in allem belaufen sich die Schätzungen auf fünf bis sechs Milliarden Euro.

Immerhin: Bislang ist noch kein TV-Sender oder Sponsor abgesprungen. Die Einnahmen des IOC, die zu einem Großteil direkt an nationale und internationale Sportföderationen ausgeschüttet werden, fließen nun aber später. Das könnte einige Verbände in Probleme stürzen. Im Übrigen sind auch die staatlichen Förderungen der deutschen Verbände fürs nächste Jahr zumindest zum Teil an die Olympiaergebnisse gebunden. Wie nun verfahren wird, konnte der Deutsche Olympische Sportbund noch nicht erklären.

Neben den Verbänden gehen auch Sportler neue Wege. Amateure wie Edina Müller müssen schauen, ob sie überhaupt weiter machen können. »Ich habe alles auf 2020 ausgelegt. Ich weiß noch nicht, wie es mit den Sponsorenverträgen laufen wird«, sagte die Paralympics-Siegerin von 2012. Sie müsse auch klären, ob sie vom Arbeitgeber für eine professionelle Vorbereitung noch mal ein Jahr freibekommt.

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