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Rennsteiglauf: Start heute in 406 Tagen

Von Michael Müller

Die Entscheidung sei eine »mit schwerem Herzen getroffene«, sagt Jürgen Lange, Präsident des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins, gegenüber »nd«. Vor allem eine im Wissen darum, wie bitter das letztlich für die Abertausenden ist, die beim längst legendären, schönsten und härtesten Cross Europas wieder dabei sein wollten. Aber, so Lange, den Namenspatron der Veranstaltung sinngemäß zitierend: »Wir laufen, um zu leben, und wir leben nicht, um zu laufen.« So gesehen habe die allgemeine Corona-Situation aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus einen klaren Schnitt erfordert: aus Fürsorge für Teilnehmer, Helfer, Dienstleister, Partner und partizipierende Unternehmen, natürlich auch für die Zuschauer; um medizinisches und Sicherungspersonal nicht noch mit einer Massensportveranstaltung zu belasten; um keine neuen Ausbreitungsherde des Virus zu riskieren. Die Reaktionen aus der Rennsteiglauf-Familie, zu der ja auch das nd-Team gehört (siehe Stimmen unten), klingen weitestgehend verständnisvoll und solidarisch.

Für Irritation und Unverständnis sorgen indes zwei andere aktuelle Tatsachen aus der Laufszene. Zum einen haben besonders große Stadtmarathons ihre Starts lediglich in den Oktober dieses Jahres verschoben und bewerben sie dementsprechend. Doch der Oktober war schon seit langem so gut wie dicht mit anderen Laufveranstaltungen. »Wir zeigen mit unserer weiterreichenden Startverschiebung also auch, dass wir fair agieren und anderen Läufen keine Teilnehmer wegnehmen wollen«, erklärt Marcus Clauder, Geschäftsführer der Rennsteiglauf-GmbH. Fragwürdig ist auch die Haltung der Marathonveranstalter in Hannover. Sie wollen am Starttermin 25./26. April festhalten weil ihnen aktuell »noch keine Einzel-, bzw. Allgemeinverfügung der zuständigen Behörde« vorliege. Ähnlich starrköpfig argumentieren die Veranstalter des Düsseldorf-Marathons zu ihrem Starttermin am 26. April.

Die Verschiebung des Rennsteiglaufes wird, so räumen Jürgen Lange und Marcus Clauder ein, mit erheblichen finanziellen Verlusten verbunden sein. Deshalb werben Verein und seine GmbH um Entgegenkommen bei den Sponsoren sowie um Solidarität der Rennsteiglauffamilie, die ja in fast 50 Jahren auf Hunderttausende angewachsen ist. Aktiven, die sich bereits für 2020 gemeldet haben, werden 50 Prozent ihrer Startgebühr zurück überwiesen. Wir haben es basisorientiert zu DDR-Zeiten geschafft, später durch die Wendejahre, haben Schnee, Frost und Hitzeglut getrotzt, auch Orkan Kyrill. Und da werden wir uns nunmehr vom ersten Aussetzer auch nicht stoppen lassen - so hört man es derzeit selbstbewusst zwischen Oberhof und Schmiedefeld, Neuhaus am Rennweg und Suhl.

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