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»Es wird noch schlimmer werden«

Zwei US-Krankenschwestern aus New York und Atlanta erzählen von ihrer Frustration im Umgang mit dem Coronavirus

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 4 Min.

Mary Williams* ist Krankenschwester in New York City und kämpft derzeit mit ihren Kollegen gegen Covid-19.

Wie sieht Ihre Arbeit gerade aus?
Auf jeder Etage im Krankenhaus werden nun auch Covid-Erkrankte behandelt. Wir haben nur noch wenige Schutzmasken und Gesichtsschilde, müssen sie mehrmals benutzen. Wir reinigen sie nach jedem Kontakt mit einem Patienten mit Bleiche. Wir versuchen möglichst wenig Kontakt mit den Patienten zu haben, um die Schutzkleidung nicht zu verschwenden. Wenn ich selbst einem Patienten sein Essen bringe, mache ich alles andere auch: Blutzucker checken, Medikamente geben, Vitalwerte prüfen.

Wie hoch ist die Arbeitsbelastung im Vergleich zu sonst?
So hoch wie noch nie. Ich selber habe auch sonst zu kämpfen. Ich bin alleinerziehende Mutter mit einem Sohn der gerade Fernunterricht hat, studiere noch einen Krankenschwester-Master, habe zwei Jobs und pflege meine Mutter. Und jetzt sind wir auf der Arbeit nicht so geschützt, wie es sein sollte.

Wie ist die Stimmung unter den Kollegen?
Wir fühlen uns verlassen. Es scheint, als seien wir der Verwaltung egal. Sie wollen, dass wir auch krank zur Arbeit kommen. Die Leute sind jetzt schon müde, ausgebrannt und fühlen sich unbeachtet. Wir sollten nicht gezwungen sein, die Pflege zu rationieren oder Schutzkleidung wiederzuverwenden.

Was erwarten Sie demnächst?
Ich glaube, es wird noch schlimmer. Wir behandeln jetzt fast nur noch Covid-19-Erkrankte. Jeden Tag gehen wir zur Arbeit und befürchten das Schlimmste. Wir versuchen, da nur irgendwie durchzukommen.

Wie reagieren die New Yorker?
Die Leute haben es erst nicht ernst genommen, dachten, das kann uns hier nicht erreichen. Das hat sich geändert. Jetzt haben die Leute Angst. Und sie machen sich Sorgen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen werden und wann die Kinder wieder in die Schule gehen können. Wir wollen einfach nur unsere Normalität zurück.

Was denken Sie über die Reaktion der Regierung in Washington?
Wir haben Leute in der Regierung ohne viel Erfahrung. Donald Trump hat doch keine Ahnung, was er tut. Und niemand hat den Mumm, ihm zu sagen, was getan werden muss.

Renee’ Ellis* arbeitet als Krankenschwester in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Atlanta.

Was passiert gerade in Atlanta?
Die Schulen sind geschlossen, einige Arbeitgeber haben die Arbeit gestoppt, Restaurants sind geschlossen und bieten nur Lieferservice an. Der Landkreis Fulton County, in dem Atlanta liegt, hat eine Sperrstunde eingeführt, aber ich sehe immer noch zu viele Menschen draußen. Die Leute nehmen das nicht ernst genug. Ich denke, die USA brauchen einen kompletten Shutdown für einige Wochen.

Wie ist die Situation im Krankenhaus?
Wir haben kaum noch Schutzkleidung. Wir teilen sie und benutzten sie erneut. Wir haben ein Teil der Notaufnahme nur für CoVid19-Patienten abgetrennt, um den Kontakt anderer mit ihnen zu minimieren.

...und die Stimmung unter den Kollegen?
Wir fühlen uns allein gelassen, weil wir nicht das Material bekommen, um die Covid19-Patienten angemessen zu versorgen. Ein Doktor und eine Krankenschwester wurden bereits positiv getestet und sind jetzt in Selbstquarantäne. Wir haben das Gefühl, wir riskieren gerade unser Leben und keiner hält uns den Rücken frei.

Wen meinen Sie?
Die Geschäftsführung und den Berufsverband, der vorschreibt, was wir eigentlich tragen müssten und wie ordentlicher Umgang mit Infektionskrankheiten aussehen müsste. Aber das hier ist größer. Die Bundesbehörden sollten dafür sorgen, dass die Krankenhäuser das Material erhalten, das sie brauchen.

Was erwarten Sie für die kommenden Tage?
In den nächsten Tagen werden wir im Krankenhaus einen Zustrom von Covid-Kranken erleben. Die Ärzte und Krankenschwestern werden dann nicht das Material haben, um die Kranken ordentlich zu versorgen.

*Name geändert

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