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Interessiert an der Welt im Ganzen

Stephen Malkmus

  • Von Benjamin Moldenhauer
  • Lesedauer: 2 Min.

So zielsicher verpeilt wie diese Musik würde ich auch hin und wieder gerne sein. Stephen Malkmus’ mit den Jahren immer routinierter sich erweiterndes und weiter ausdifferenzierendes musikalisches Werk ist bestimmt von ausgeprägtem Konzeptbewusstsein bei gleichzeitiger enormer Lässigkeit. Zu Zeiten seiner stilbildenden Band Pavement (neben Sonic Youth und Yo La Tengo und ein paar anderen mit das Schönste und Interessanteste, was die US-amerikanische Independent-Musik der 90er Jahre zustandebrachte) war es die Lässigkeit des bekifften, aber doch glasklaren, hochbegabten Pop-Intellektuellen.

Inzwischen ist es die Lässigkeit des unabwendbar älter gewordenen Slackers, der einfach immer weiter am eigenen, eigengesetzlich strukturierten Universum bastelt, ohne dass die Musik noch mit kommerziellen Erwartungen einhergehen würde.

Sein neues Album »Traditional Techniques« ist Malkmus’ erste Folk-Platte. Sie folgt auf sein gleichfalls sehr gutes Ich-drücke-im-Wohzimmerstudio-auf-meinem-Laptop-herum-und-freue-mich-an-den-Tönen-Album »Groove Denied« aus dem letzten Jahr. Beide Alben schließen an pophistorische Stränge an, die, wenn man sie heute aufruft, antiquiert wirken. Also veraltet. In diesem Sinne kann man beide Platten als Komplementäralben begreifen: »Groove Denied« schloss mit einer wirklich ganz zauberhaften Unbedarftheit an die Postpunk-Experimente der späten 70er Jahre an. Die »traditionellen Techniken«, derer sich Malkmus nun bedient, sind die Techniken der entrückten psychedelischen Folkmusik der späten 60er Jahre.

Die erste Hälfte des Albums (man höre insbesondere die Songs »ACC Kritan« und »Shadowbanned« oder die zugedröhnte Flöte auf »What Kind Of Person«) verbindet die Akustikgitarre und den streckenweise sehr entrückten Gesang mit Echo, Percussion-Gedengel, ozeanischer Slidegitarre und Sitar-Simulationen an der Gitarre. In der zweiten Hälfte werden die Songs dann geradliniger.

Aber so oder so: Es handelt sich hier um zeitlose Musik. Das Album »Traditional Techniques« hätte auch vor vierzig Jahren erscheinen können, ohne dass das heute retro klingen würde. Was ja auch eine Kunst ist. Die gelingt, weil Stephen Malkmus weiß, dass es im Pop um »techniques« geht und nicht um authentischen Ausdruck. Der folgt dann eventuell, das ist ebenfalls eine Frage der Technik.

Schon der Musik von Pavement haftete etwas Freundlich-Distanziertes an. Ein ironischer Gestus zieht sich durch das gesamte Schaffen von Stephen Malkmus. Aber ist nicht die unterkühlte Arschloch-Ironie, die in der Kunst mitunter ganz lustig ist, in der Wirklichkeit furchtbar quälend? Es ist die sanfte Ironie des Künstlers, der sich an der Welt im Ganzen doch sehr interessiert zeigt, aber immer sorgsam darauf achtet, dass sie ihm nicht allzu sehr auf die Pelle rückt.

Stephen Malkmus: »Traditional Techniques« (Matador/Domino/ Rough Trade)

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