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Im Herzen ‘ne Narbe

18 deutsche Künstler sammeln für die Hinterbliebenen von Hanau.

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 2 Min.

Wenn man gerade an gesellschaftliche Krisen und Brüche denkt, dann ist das Erinnern vielleicht schon so kurzlebig und die Zeit so ereignisreich, dass die Gedanken nicht im ersten Moment nach Hanau gehen. Zumindest bei denjenigen, die nicht betroffen waren, sich nicht seitdem im Fadenkreuz fühlen. »Ich dachte, meine Söhne wären sicher hier« rappt Milonair, einer von 18 deutschen Rappern, die auf dem Benefiz-Song »Bist du wach« zu hören sind. Initiiert hat die Kollaboration, die wahrscheinlich eine der größten in der Geschichte des deutschen Hip-Hops ist, der Hanauer Rapper Azzi Memo. »10 Menschen verloren ihr Leben, doch bleiben bestehen / Im Herzen ‘ne Narbe« so endet der einleitende Part von Memo. Und so beginnt die achtminütige Auseinandersetzung von verschiedenen Rapgrößen, die über den Anschlag und seinen Folgen reflektieren.

»Wir alle sind ein Teil von hier. Ihr könnt unsere Existenz nicht absprechen« rappt der Hamburger Nate 57. Und dreht damit die schreckliche Erkenntnis von Hanau um: Dass es immer noch Menschen gibt, die eine Grenze ziehen zwischen denen und uns, zwischen Deutschen und Nichtdeutschen, aufgrund irgendwelcher mysteriösen Bestimmungen.

»Egal, wie lange wir schon hier sind, als hätte Gott mich nicht genauso gewollt, als wäre ich hier nicht genauso willkomm'n«, textet die RnB-Sängerin Rola.

Die Erlöse des Songs, an dem außerdem noch Kool Savas, Celo & Abdi, Disarstar und viele andere teilnahmen. Alle Einnahmen des Songs sollen an die Amadeu-Antonio Stiftung gehen, die sich für die Hinterbliebenen und Überlebenden des Anschlags von Hanau einsetzt. Zu Irritationen kam es, als die Stiftung darauf aufmerksam machte, dass zwei der an dem Song teilnehmenden Rapper problematische Verbindungen pflegen: Der Rapper Sinan G., der »nachweislich an einer antisemitischen Kundgebung teilnahm und mit der Terror-Miliz Hisbollah sympathisiert« und Manuellsen, der Kontakte in rechtsextreme Kreise haben soll.

Die Amadeu-Antonio Stiftung betont in einem Statement, dass es keine inhaltliche Zusammenarbeit mit den beteiligten Küstler*innen gegeben habe und der Benefizsong eine Initiative des Rappers Azzi Memo war, der selbst einen Verwandten bei dem rassistischen Terroranschlag in Hanau verloren hat. Die Einnahmen durch den Song wird die Stiftung trotzdem annehmen und das ist auch richtig so: Sie dienen der Unterstützung Betroffenen und Hinterbliebenen des Terroranschlags.

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