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Für das Leben

  • Von Mario Pschera
  • Lesedauer: 2 Min.
Zeichnung: Mario Pschera
Zeichnung: Mario Pschera

Non scholae sed vitae - nicht für die Schule, für das Leben lernen wir. Mit dem Lernen ist das so eine Sache, wenn die Schulen geschlossen sind. Aber auch vor der Verlagerung des Unterrichts ins Häusliche stand nicht alles zum Besten. Schüler wie Lehrer klagen über eine Verdichtung des Stoffes und eine Orientierung auf vermeintlich Nützliches (was wohl eher für die Arbeitswelt Verwertbares meint). Turbo-Eltern triezen den Nachwuchs zusätzlich mit Nachhilfestunden und marktwertverbessernden Hobbys. Die, deren Eltern sich das nicht leisten können, dürfen vor dem großen, elektrisch betriebenen Bildungsrechteck Platz nehmen. Dabei brauchen Kinder und Jugendliche vor allem Zeit und Raum, zu sich selbst zu kommen, Luftschlösser zu bauen, zu sinnieren und zu träumen. Und zu lesen. Ohne Druck Erfahrungen zu sammeln, die Welt kennenzulernen, Empathie für menschliche Schicksale an anderen Orten und zu anderen Zeiten zu erwerben. Dafür braucht es auch öffentliche Bibliotheken, in denen sie vor den Zumutungen der Erwachsenenwelt sicher sind. Weltfremd oder lebensuntüchtig werden sie dadurch nicht.

Mit meinem Schulfreund André saß ich nach der Schule stundenlang gemeinsam über Büchern und Heften. Wir sind mit Huckleberry Finn und Jim den Mississippi runtergegondelt, mit Manas durch die kirgisischen Berge gezogen, haben mit Annika und Thomas über die Superkräfte von Pippi Langstrumpf gestaunt und durch den tölpelhaften Ritter Runkel gelernt, dass die Kreuzfahrer keine selbstlosen Helden des Glaubens waren. Wir haben alles gelesen, was uns unter die Finger kam. Trotzdem haben wir Fußball gespielt, uns mit denen aus der Nachbarklasse geprügelt, sind in leer stehende Häuser eingestiegen und haben heimlich Zigaretten probiert. André leitet heute ein Seniorenheim, und ich sitze im nd-Büro und schreibe diese Zeilen. So ganz scheint uns die Lektüre also nicht geschadet zu haben.

Wir wünschen Ihnen entspannte Ostertage und immer ein gutes Buch in Griffnähe. Ein paar Empfehlungen haben wir auf den folgenden Seiten versammelt. Und mit unserem Osterrätsel gibt es sogar etwas zu gewinnen. Leserinnen und Leser sind bei der Suche nach dem Lösungswort eindeutig im Vorteil.

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