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Waffen gegen die Pandemie?

Heckler & Koch lehnt Greenpeace-Vorschlag ab

Statt Panzer und andere Waffen zu bauen, sollten deutsche Rüstungsbetriebe wie Rheinmetall, Krauss Maffei Wegmann (KMW) oder Heckler & Koch besser »dringend benötigtes medizinisches Material wie Beatmungsgeräte oder medizinische Schutzkleidung« herstellen. Mit dieser Forderung hatte sich das Friedensteam der Umweltorganisation Greenpeace zu Monatsbeginn an die führenden deutschen Rüstungsbetriebe gewandt. In dem Offenen Brief wird angeregt, dass die Firmen »die Fähigkeiten ihres hoch qualifizierten Personals« einsetzen sollten, »um Güter zu produzieren und Dienstleistungen bereitzustellen, die wir dringend im Kampf gegen das Coronavirus benötigen«.

Die Greenpeace-Initiative fand nicht nur Widerhall in Oppositionsparteien. Weite Teile der Bevölkerung sowie diverse Friedensgruppen, die wegen der Pandemie traditionelle Ostermärsche aussetzen oder umorganisieren mussten, unterstützten die Idee.

Nun kam auch Antwort von einigen Adressaten. Dass Heckler & Koch in Oberndorf so ungewöhnlich kommunikativ reagierte, mag daran liegen, dass der Hersteller von Kleinwaffen jüngst einen erfahrenen Journalisten als Pressesprecher anheuerte. Dennoch ist der Wortlaut des Antwortschreibens von Geschäftsführer Jens-Bodo Koch erstaunlich. Er lobt die Greenpeace-Initiative und behauptet: »Sie sehen uns, was das Engagement für unsere Gesellschaft angeht, vollständig auf Ihrer Seite.« Und weiter: »Wie Ihnen geht es auch uns darum, die Bevölkerung in Deutschland und unseren Partnerländern zu schützen.« Die folgende Argumentation ist - zart ausgedrückt - abenteuerlich. H&K verweist darauf, dass die Polizeien in der wohl schwersten Krise der jüngeren Vergangenheit extrem gefordert sind und dennoch ihre Aufgaben vorbildlich erfüllen, um die Maßnahmen zur Sicherung der Gesundheit der Bevölkerung umzusetzen.

Dabei helfe H&K auf seine Weise. Nicht nur die Bundespolizei und die Polizei in Sachsen erwarteten neue Dienstpistolen, heißt es. Auch andere EU-Staaten vertrauten auf Produkte aus Oberndorf. In dem Schreiben fallen Begriffe wie Terrorabwehr, Friedenssicherung, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Toleranz. Der Geschäftsführer versichert - was bei der mehrfach bei illegalen Lieferungen ertappten Firma nicht selbstverständlich ist - dass man keine repressiven Staaten beliefere.

Zum Kern der Greenpeace-Foderung wird nichts gesagt. Zu erfahren ist lediglich, dass man unter anderem dem Hersteller von Atemschutzmasken Dräger angeboten hat, mit technischem Personal bei der Produktion von medizinischen Geräten zu helfen. Doch zur angedachten Kooperation sei es nicht gekommen.

Direkter und damit ehrlicher in seiner Ablehnung der Greenpeace-Idee ist der Panzerhersteller Krauss Maffei Wegman. Wie Rheinmetall hat auch KMW keine Probleme in seiner Produktion, die Lieferketten sind dem Vernehmen nach stabil. Man sei mit Aufträgen der Bundeswehr über Jahre ausgelastet. Zudem fehle die technische Expertise, um zumindest teilweise auf die Produktion ziviler Produkte umzuschwenken, heißt es bei KMW in München.

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