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Vertrauen in Busse und Bahnen zurückgewinnen

Jens Wieseke ist Sprecher der IGEB, des Berliner Fahrgastverbands

  • Von Jens Wieseke
  • Lesedauer: 3 Min.

Die BVG hat in den letzten Wochen leider viel Vertrauen verloren. Um es wiederzugewinnen, müssen BVG und Senatsverkehrsverwaltung offen und schonungslos Probleme und Engpässe bei Personal und Fahrzeugen benennen und Fehler eingestehen. Dabei geht es nicht darum, die BVG anzuklagen. Vor zehn Jahren erlebte die S-Bahn Berlin eine ähnlich dramatische Vertrauenskrise. Offenheit und Ehrlichkeit trugen wesentlich zu deren Überwindung bei.

Der Berliner Fahrgastverband IGEB registrierte mit Entsetzen, dass die BVG ab 18. März ohne Not drastische Angebotsreduzierungen vornahm. Das führte zu vermeidbaren Fahrgastkonzentrationen in den Fahrzeugen - vor allem bei der

U-Bahn und in etlichen Metro-Buslinien, obwohl zu Recht die Einhaltung von Mindestabständen zwischen Personen vorgeschrieben ist. Es ist völlig unverständlich, warum die BVG und die Senatsverkehrsverwaltung einen derart unverantwortlichen Umgang mit den Fahrgästen initiiert beziehungsweise zugelassen haben.

Bei der U-Bahn wurde das Angebot halbiert, auf dem Kreuzberger Hochbahnabschnitt sogar auf ein Drittel reduziert. Die Reaktionen der BVG machten die Sache nur noch schlimmer. Verbal wurde beschönigt und beschwichtigt. Dabei war die verwirrende Informations- (oder eher Nichtinformations-) Politik von BVG und Senatsverkehrsverwaltung das eine. Viel schlimmer war, dass sich am Angebot und an der Situation der Fahrgäste wenig änderte. Während der Senat in der Coronakrise im Sinne der Gesundheitsprävention überwiegend besonnen und sachgerecht agiert, versagt er bei der BVG. Im Interesse aller Fahrgäste muss die BVG mithilfe der Politik aus dieser Situation schnell wieder herausfinden.

Dazu hat die IGEB folgende Forderungen: Die BVG muss den Fahrgast endlich ehrlich und bestmöglich informieren. In den ersten Tagen nach der dramatischen Angebotsreduzierung lieferten die elektronischen Informationskanäle massenhaft unbrauchbare Informationen. Fahrplanaushänge beim Bus wurden in letzter Zeit durch unzulängliche Provisorien ersetzt. Jetzt sind endlich die Systeme so zu gestalten, dass sie jederzeit korrekte Informationen liefern. Ausschließlich dafür ist der Marketingetat zu nutzen.

Des Weiteren haben in der Situation einer globalen Krise Mätzchen wie die Social-Media-Kampagne »Weil wir dich lieben« keinen Platz mehr. Für törichte Witze sind Comedians zuständig. Die Kampagne ist unter anderem auf Twitter umgehend so umzugestalten, dass der Fahrgast dort komprimiert wichtige übergreifende Informationen für U-Bahn, Straßenbahn und Bus und gegebenenfalls den übrigen Verbund findet.

Ganz wichtig ist es, dass die BVG das Angebot schnellstmöglich wieder auf den bestellten Umfang hochfährt, um das verspielte Vertrauen zurückzugewinnen. Dazu bedarf es eigentlich nur einer klaren politischen Ansage. Das Personal ist nach unserer Kenntnis da und die Fahrzeuge stehen rum. Die Benutzung der BVG muss für die Fahrgäste auch hinsichtlich der jetzt geplanten Lockerungen bei anhaltend hoher Infektionsgefahr mit einem auf ein Mindestmaß begrenzten Risiko verbunden sein. Dabei muss in Kauf genommen werden, dass auf einigen Linien »heiße Luft« transportiert wird.

Es gibt aber auch klare Forderungen an die Politik. Nachdem dreieinhalb Jahre lang unter Rot-Rot-Grün außer großen Ankündigungen viel zu wenige konkrete Maßnahmen zugunsten der Verkehrswende umgesetzt wurden, scheint man bei der Einrichtung der temporären Fahrradspuren nun den Schlüssel für schnelle Umsetzungen von Verbesserungen gefunden zu haben. Das lässt uns gerade hinsichtlich der Beschleunigung von Bus und Bahn hoffen. Das setzt den politischen Willen voraus, aus den Erfahrungen der Krise lernen zu wollen. Zu den positiven Seiten der derzeitigen Situation gehört zum Beispiel die Erfahrung, dass Busse jetzt deutlich schneller durch die Stadt kommen. Also muss man dort ansetzen, wo jetzt der Bus dauerhaft beschleunigt werden muss.

Dabei ist aus IGEB-Sicht die Verkehrswende keine Frage der Antriebsform eines Busses. Ein Bus muss aber schnell und mit Vorrang fahren können. Ein schneller und daher nachgefragter Dieselbus bringt der Verkehrswende und der Umwelt mehr als ein Elektrobus im Stau. Wo der Platz knapp ist, kann das auch auf einer gemeinsamen Bus- und Fahrradspur erfolgen.

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