• Sport
  • Bundesliga und Corona

Warten auf den ersten Zweikampf

Wie die Fußballer des 1. FC Union und von Hertha BSC in der Coronakrise trainieren

  • Von Matthias Koch
  • Lesedauer: 4 Min.

Hertha BSC und der 1. FC Union erleben eine historische Saison. Die beiden Berliner Fußballvereine spielen erstmals gemeinsam in der 1. Bundesliga. Aktuell müssen aber auch sie die einschneidenden Maßnahmen erdulden, die die Corona-Pandemie mit sich bringt.

An diesem Donnerstag wird die Deutsche Fußball Liga (DFL) die 36 Profiklubs per Videoschalte erneut virtuell um sich scharen, um den Fortgang der Saison zu besprechen. Im besten Falle werden die restlichen neun Spieltage ab dem 9. Mai in Form von Geisterspielen absolviert. Aus dem zweiten Mai-Wochenende kann aber auch das dritte oder vierte werden. Vielleicht geht es auch noch viel später los. Die DFL und die Klubs müssen abwarten, bis die Politiker grünes Licht geben. All die großen und kleinen Unternehmen, Kneipen oder viele Selbstständige, die derzeit nur eingeschränkt oder gar nicht arbeiten dürfen, werden die mögliche Sonderrolle des Fußballs kritisch betrachten. »Die Kinder müssen erst wieder zur Schule gehen und vielleicht muss auch die kleine Kneipe mit 20 Plätzen wieder aufmachen, bevor wir anfangen, Fußball zu spielen«, hatte Unions Präsident Dirk Zingler kürzlich gesagt.

All dies macht den Trainingsprozess nur sehr schwer planbar. Die Bundesligisten, auch Hertha und Union, laufen sich seit dem 6. April quasi für den Tag X warm. Zuvor waren sie seit der Zwangsunterbrechung der Liga am 13. März im Homeoffice, wie es jetzt so schön heißt. Übersetzt bedeutete das Joggen oder Krafttraining in den eigenen vier Wänden.

Von normalem Trainingsbetrieb kann auch jetzt keine Rede sein. Beide Vereine arbeiten mit Sondergenehmigungen des Berliner Senates - unter strengen Auflagen des Gesundheitsamtes. Auch für Fußballer gilt das Kontaktverbot. In mehr als zwei Wochen hat es noch nicht einen einzigen Zweikampf gegeben. Union-Trainer Urs Fischer und Herthas neuer Coach Bruno Labbadia müssen sich anders behelfen. Bei den Eisernen wurde in den vergangenen Tagen, als die Gruppen sieben Spieler groß sein durften, im »Schichtsystem« gearbeitet. Morgens um 8.30 Uhr ging es los. Am Vormittag gab es drei einander ähnelnde Einheiten mit drei verschiedenen Gruppen. Die jeweils erste Gruppe kam auch am frühen Nachmittag noch einmal zusammen. In den rund einstündigen Einheiten gab es abwechselnd Arbeit mit dem Ball beziehungsweise Kraft-, Geschicklichkeits- und Laufübungen. »Wir müssen die Situation annehmen wie sie ist und das Beste daraus machen«, sagte Fischer.

Auch an diesem Mittwoch arbeitete Union wieder in Gruppen, die erste legte wieder um halb neun los. Der Schweizer Trainer hatte mit seinem Stab diesmal sogar zwei Ball-Parcours aufgebaut, einen auf dem Trainingsgelände und einen im Stadion An der Alten Försterei. So konnte zeitsparend ohne Umbau weitergeprobt werden. Für die Trainer und Betreuer bedeutet dies lange Tage an der frischen Luft. Die Spieler nehmen die Abwechslung jedoch dankend an.

Der Infektionsschutz steht natürlich weiterhin im Vordergrund. Mehrere Kabinen werden genutzt und zwischendurch regelmäßig desinfiziert. Zudem kommen die Spieler auf unterschiedlichen Wegen zum Trainingsgelände. Verpflegt werden die Profis nicht mehr im Stadion, geduscht werden soll auch zu Hause.

Ähnlich läuft es bei Hertha BSC. Dort wurde an diesem Mittwoch ab 10 Uhr in voller Kaderstärke trainiert. Auf dem Schenckendorffplatz gab es zeitgleich vier Gruppen auf vier verschiedenen Feldern. Trainer Labbadia, der erst mitten in der Coronakrise am 13. April das Amt übernahm, und Co-Trainer Eddy Sözer ließen das weiträumige Passspiel ohne Gegner üben. Auf dem Nebenplatz ging es bei Co-Trainer Olaf Janßen engmaschiger zu.

Auf Feld drei wurde Fußballtennis gespielt. Zudem bildeten die Torhüter ein eigenes Grüppchen. Labbadia spielte in seinem Bereich sogar mit. Bei seinen Anweisungen versucht er stets, die Jungs mitzureißen. »Im Moment dürfen wir mit maximal acht Spielern pro Gruppe trainieren. Das heißt, dass dann in mannschaftstaktischen Übungsformen irgendwo auf dem Feld zwei Spieler fehlen«, erzählt der Trainer. In diesen Zeiten muss auch oder gerade der Fußball mit Kompromissen leben. Denn das Virus macht vor den Profis natürlich nicht halt. Bei Hertha waren mit Maximilian Mittelstädt, Niklas Stark und Marius Wolf schon drei Akteure in Quarantäne, weil sie sich infiziert hatten oder mit infizierten Personen Kontakt hatten. Bei Union traf dies Yunus Malli.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung