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Abitur per Fax

Kampfstern Corona (Teil 15): Eine Übersicht zu den Abweichungen von den einheitlichen Regelungen des öffentlichen Lebens während der Krise

  • Von Volker Surmann
  • Lesedauer: 5 Min.

Seit einigen Tagen haben Geschäfte mit einer Fläche bis 800 Quadratmeter in allen Bundesländern wieder geöffnet. In diesen Tagen beginnt überall die Schule für die Abschlussjahrgänge. Auf diese Lockerungen hatten sich die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel geeinigt. Eine Maskenpflicht gehörte nicht dazu, sie gilt nun trotzdem überall. Abweichungen von diesen bundeseinheitlichen Regeln gibt es nur im Ausnahmefall. Hier eine Übersicht:

Baden-Württemberg: Auf Druck der Automobilindustrie durften Autohäuser wieder öffnen, allerdings nur für Fahrzeuge, die kleiner als 800 Quadratmeter sind. Ministerpräsident Winfried Kretschmann ging mit gutem Beispiel voran und kaufte zwei Mercedes S-Klassen für die Staatskanzlei. Benziner, weil der Sprit grad so »ginschdig isch«. Eine 24/7-Maskenpflicht gilt für geschwätzige Menschen mit feuchter Aussprache, das heißt für alle Schwaben und Badenser.

Bayern: Das Oktoberfest wurde abgesagt für alle Besucher mit mehr als 1,5 Promille - also komplett. 800 ausgewählte bayrische Parkbänke dürfen wieder genutzt werden, allerdings nicht länger als 1,5 Minuten. Katholische Messen werden wieder zugelassen, wenn Priester zu Messdienern 1,5 Meter Mindestabstand halten und dem geschwenkten Weihrauch Desinfektionsmittel beigemischt wird.

Berlin: Geschäfte durften mit ein paar Tagen Verspätung aufmachen. Schulen werden wieder öffnen, sobald sie mit sanitären Anlagen ausgestattet wurden. Großveranstaltungen mit mehr als 5000 Besuchern werden bis Ende Oktober verboten; Verfassungsrechtler diskutieren, ob Neukölln nicht längst als Großveranstaltung gilt. Der Bezirk wurde vorsorglich abgesagt. Für Neuköllner Hipster und englischsprachige Expats mit pastellfarbenen Haaren und Bärten gelten keine Regeln. Sie dürfen alles, weil Ultracoole gegen Corona immun sind.

Brandenburg: Der BER darf, obwohl größer als 800 Quadratmeter, eröffnen. In Beelitz wird eine mobile Coronaklinik für osteuropäische Spargelstecher eingerichtet. Das Personal spricht Rumänisch und Polnisch, so auch der Priester fürs letzte Geleit. Schutzmasken für die Feldarbeiter werden irgendwann irgendwo vielleicht eintreffen. Wandern in Brandenburger Wäldern ist wieder erlaubt. Wegen der akuten Waldbrandgefahr ist dabei das Tragen von Atemschutzmasken und 800 Litern Wasser verpflichtend.

Bremen: Kontaktverbot und Mindestabstand bleiben. Das Denkmal der Stadtmusikanten wird um 4,5 Meter erhöht, um den Mindestabstand zwischen den Tieren zu gewährleisten. Die Abiturprüfungen werden stattfinden. Es wird die Note 1,5 verliehen.

Hamburg: Die Maskenpflicht wird scharf kritisiert, da Hanseaten sowieso nicht sprächen. Demonstrationen mit bis zu 1,5 Teilnehmenden sind erlaubt, sofern sie nicht verboten sind. Darüber entscheidet die Polizei spontan, wenn sie die Transparente gelesen hat.

Hessen: Hier diskutiert die schwarz-grüne Landesregierung noch, welche Sonderwege beschritten werden sollen. Zurzeit gibt es keine konkreten Vorschläge. Dies löste eine handfeste Regierungskrise aus. Die Koalitionspartner gingen auf Abstand zueinander.

Mecklenburg-Vorpommern: Touristische Einreisen bleiben verboten. Zur Kontrolle wurden private Sicherheitsdienste wie die Nordland-Security oder Combat-Nachfahren-GmbH verpflichtet, deren Baseballschläger eine Mindestlänge von 1,5 Metern aufweisen müssen. Frisöre dürfen ab 4. Mai wieder Glatzen rasieren. Das Tragen von Masken ist im Nahverkehr Pflicht. Der nächste Bus fährt am 1. September.

Niedersachsen: Auch hier dürfen Autohäuser öffnen, wenn die Händler einen Mindesthubraum von 1,5 Kubikzentimetern garantieren können. Im Landkreis Cloppenburg dürfen Gaststätten öffnen, sofern sie ausschließlich vor Ort produziertes Schweinefleisch anbieten. In Goslar gilt eine dauerhafte Mundschutzpflicht für alle ehemaligen Außenminister.

Nordrhein-Westfalen: In NRW öffneten die Schulen bereits eine Woche früher als andernorts für die oberen Jahrgänge. Die Abiturprüfungen sollen in Möbelhäusern stattfinden, die größer sind als 800 Quadratmeter. In der Stadt Köln müssen alle Düsseldorfer permanent Masken tragen.

Rheinland-Pfalz: Hier beschloss die Landesregierung, dass der 20.4. in diesem Jahr auf den 26.4. fällt. Weinproben dürfen stattfinden, wenn dabei ein Mundschutz getragen wird und man danach noch 800 Meter im Quadrat laufen kann. In Mainz ist das Tragen von Karnevalsmasken nun ganzjährig verpflichtend.

Saarland: Das Bundesland ist kleiner als 800 Quadratmeter und darf öffnen. Als einziges Bundesland macht es seine Grenzen auf für Besucher und Touristen, ausgenommen Franzosen. Beide Ferienwohnungen wurden wiedereröffnet. Aber niemand will im Saarland Urlaub machen.

Sachsen: Gottesdienste mit 15 Personen sind ab sofort wieder erlaubt. Viele Kirchen kritisieren diese Regelung, da sie nicht wissen, wo man in einer sächsischen Gemeinde 15 Gläubige auftreiben soll. Das evangelische Abendmahl ist gestattet, aus Infektionsschutzgründen allerdings nur mit originalverpacktem Snickers und 80-prozentigem Stroh-Rum statt Wein. In Dresden werden bei Pegida-Demonstrationen Maskenpflicht und Abstandsgebot ausgesetzt, um die Mortalität unter Rechtsextremen zu erhöhen.

Sachsen-Anhalt: Die Buchhandlungen waren während des Lockdowns geöffnet. Ohne Schaden für die Bevölkerung. Viele Sachsen-Anhalter fragten sich, was man dort eigentlich kaufen kann. Der Brocken darf wieder bestiegen werden, allerdings nur mit Atemgerät.

Schleswig-Holstein: Touristen dürfen weiterhin nicht einreisen. Dafür wurde das Wattwandern wieder erlaubt auf Flächen, die eine Größe von 800 Quadratmetern übersteigen, vorausgesetzt, man hält sich an das Kegelrobben-Kontaktverbot und sinkt nicht tiefer ein als 1,5 Meter.

Thüringen: Abiturprüfungen sollen per Livestream abgewickelt werden. Am DSL-Anschluss der Gemeinde Friedrichroda kam es daraufhin zu einem ungenehmigten Menschenauflauf von 15 Jugendlichen, der polizeilich aufgelöst werden musste. Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen darf das Abitur nun auch fernmündlich, via Teletext, Fax oder per Rauchzeichen abgelegt werden. Jena hatte als Erstes eine strikte Maskenpflicht, die die Infektionszahlen wirksam gesenkt hat. Aber nach der Ministerpräsidentenwahl im Februar wollte in Deutschland niemand Thüringen als Vorbild nehmen.

Am 6. Mai will sich die Kanzlerin erneut mit den Ministerpräsidenten der Länder beraten. Dann sollen neue bundeseinheitliche Regelungen beschlossen werden.

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