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Zu wenig Rendite mit der Altmiete

Ausbleibende Reparaturen, schlechter Kundenservice: Mieter klagen über Wohnungsriesen Ado

  • Von Jonas Wagner
  • Lesedauer: 4 Min.

»Wir streben eine hohe Mieterzufriedenheit an und sehen unsere Mieter im Zentrum unserer Geschäftstätigkeiten«, so steht es im aktuellen Geschäftsbericht 2019 des Berliner Großvermieters Ado, der über 16 000 Wohnungen in der Hauptstadt sein Eigen nennt. »Wir reagieren äußerst zügig auf die Anfragen unserer Mieter und managen die Kommunikation mit unseren Mietern aktiv über interne und externe Rufleitungen«, heißt es weiter.

Fatima Akbay, Ado-Mieterin einer 40-Quadratmeter-Wohnung in der Schöneberger Leberstraße, erzählt »nd« eine etwas andere Geschichte. Jeden Winter aufs Neue sitzt die Mieterin, die eigentlich anders heißt, aber ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, in der Kälte - teilweise wochenlang. Kurz nach ihrem Einzug vor knapp drei Jahren habe Ado das Haus übernommen - »seitdem habe ich das mit der Heizung eigentlich jedes Jahr. Jeden Winter fällt die Heizung für mehrere Wochen aus, und die Hausverwaltung interessiert es nicht, trotz häufiger Kontaktaufnahme«, so Akbay. Auch andere Mieter*innen, darunter Familien mit Kleinkindern und ältere Menschen, stünden in der kalten Jahreszeit ohne funktionierende Heizung da, erklärt sie.

Mit der alten Hausverwaltung habe es keine Probleme gegeben, berichtet sie. Seit der Übernahme durch Ado sei die Kommunikation eine Odyssee: »Man hängt immer ziemlich lange in der Warteschlange.« Nur um dann zu hören, um das Problem kümmere man sich - und doch wochenlang auf die Reparatur zu warten, so die Mieterin weiter. Auch auf schriftlichem Wege laufe das nicht besser: »Wenn ich E-Mails schicke, kriege ich eigentlich nie eine Antwort«, ärgert sich Akbay über das Gebaren des Konzerns.

Seit 2015 habe Ado durchschnittlich mehr als 22 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, heißt es in einer Studie der linksparteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung zu Berliner Großvermietern. Worauf das erfolgreiche Geschäftsmodell fußt, daraus macht der Konzern keinen Hehl: »Wir streben regelmäßige Mieterhöhungen bis Marktniveau im Rahmen der regulatorischen und rechtlichen Grenzen sowie über Mieterfluktuation an«, schreibt das börsennotierte Unternehmen in seinem Geschäftsbericht. Dieses Ziel solle vor allem durch Modernisierungen und Sanierungen erreicht werden. »Muss ein Unternehmen profitabel sein? Absolut!«, erklärt Konzernchef Thierry Beaudemoulin unmissverständlich in dem Bericht.

Die von Ado vermeintlich angestrebte Mieterzufriedenheit bleibt dabei allerdings auf der Strecke - zumindest in den (noch) nicht sanierten Altbauten in der Leberstraße. 435 Euro zahle sie warm für ihre 40 Quadratmeter, berichtet Akbay. Für aktuelle Berliner Verhältnisse ist das ein Schnäppchen. Sie hat den Verdacht, Ado wolle die Mieter*innen vergraulen, um die Wohnungen zu sanieren und deutlich teurer weiterzuvermieten. »Ich habe auch ein bisschen Schimmel im Bad, passiert ist da nichts«, erklärt sie. Ihre Heizung werde auch ohne Totalausfall nie richtig warm - und »vor ein paar Wochen ist die komplette Anlage im Keller kaputtgegangen«. Doch statt grundsätzlich nachzubessern, schicke der Konzern jedes Mal die gleichen Leute von der Sanitärfirma, die nur oberflächliche Reparaturen durchführten - und das Spiel wiederhole sich jeden Winter, so Akbay.

Das ist kein Einzelfall in Berlin. »Ich verklage die dauernd«, sagt Christian Albrecht, Anwalt des Mieterschutzbundes, zu »nd«. Er empfiehlt, mit »harten Bandagen« gegen Ado vorzugehen, indem man sich einen Anwalt suche und vor Gericht ziehe. »Ado reagiert nur, wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht«, so Albrecht.

»Es ist selbstverständlich nicht in unserem Interesse, dass unsere Mieter ohne Heizung oder Warmwasser sind«, teilt der Ado-Sprecher auf nd-Anfrage mit. Man überprüfe die technischen Anlagen der Häuser regelmäßig, und bei von Mietern angezeigten nachweislichen Mängeln oder Schäden würden »umgehend« Reparaturaufträge erteilt. »Wenn die Behebung von Schäden einmal etwas mehr Zeit beansprucht, ist dies in der Regel auf externe Probleme wie fehlende freie Kapazitäten bei den entsprechenden Fachfirmen oder aufwendige Beschaffung beziehungsweise Neuanfertigung von Ersatzteilen für ältere Heizungs- und Aufzugsanlagen zurückzuführen«, so der Sprecher weiter. Er betont zudem, der Konzern saniere normalerweise nur einzelne, durch »normale Mieterfluktuation« frei werdende Wohnungen, statt ganze Häuser auf einen Schlag zu modernisieren - um die Gebäude »in einem für Bestandsmieter und Neumieter attraktiven Zustand zu erhalten und keine zustandsbedingten Leerstände aufkommen zu lassen«. Er räumt ein, dass in modernisierten Wohnungen der Mietpreis erhöht wird - doch die Vorwürfe, der Konzern würde Mieter*innen aus ihren Wohnungen ekeln, weist er entschieden zurück. »Es entspricht auch nicht dem Geschäftsmodell von Ado, Bestandsmieter aus ihren Wohnungen herauszudrängen.«

Für Fatima Akbay ist der Fall klar: »Inzwischen ist es kein Geheimnis mehr, dass die Ado ein riesiger Immobilienhai ist, der seine Mieter*innen aus den Wohnungen vergrault, um diese dann zu sanieren«, meint sie. Obwohl sie sich an den Mieterschutzbund gewandt hatte, hat die Taktik bei ihr funktioniert. »Die haben mich rausgeekelt«, erzählt die Mieterin.

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