Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Hass auf Journalisten

Studie zu Hatespeech

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.

Journalist*innen sind im Netz mehr und mehr Hass und Hetze ausgesetzt. Diese kommt - kaum verwunderlich - vor allem aus dem rechten Spektrum. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Bielefeld und des Mediendienstes Integration mit dem Titel »Hass und Angriffe auf Medienschaffende«, die am Mittwoch vorgestellt wurde.

322 Journalist*innen nahmen an der Studie teil, die deshalb nicht repräsentativ ist. Einblicke in das Feld gibt sie dennoch - vor allem im Vergleich mit den Ergebnissen der Vorgängerstudie von 2017. Demnach erlebten 59,9 Prozent der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten Angriffe im digitalen Raum - 20 Prozent mehr als vor drei Jahren. 41,3 Prozent berichteten von mehreren Angriffen: Im Schnitt waren es 22 Vorfälle.

Die Studie ordnet einen überwiegenden Anteil der Angriffe (82,4 Prozent) dem rechten Spektrum von Pegida oder ex᠆trem Rechten zu. In 69 Prozent aller Fälle sahen die Teilnehmer*innen der Umfrage einen Straftatbestand erfüllt. In 29 Prozent der Fälle wurde Anzeige erstattet. In nur fünf Prozent der Fälle kam es zu einer Verurteilung.

Fast zwei Drittel der Betroffenen (63,3 Prozent) berichteten von psychischen Belastungen in Folge der Angriffe. Auch diese Zahl hat im Vergleich zu 2017 um rund 20 Prozent zugenommen. Mehrere Befragte gaben an, bestimmte Themen nicht mehr bearbeiten zu wollen, um sich dem Hass im Netz nicht aussetzen zu müssen.

Insgesamt forderten die befragten Journalist*innen mehr Schutz und Unterstützung von Politik, Polizei und ihren Redaktionen ein. Die meisten tauschen sich über ihre Erlebnisse mit Kolleg*innen aus und sehen dies auch als besonders nützlich an. Was oft fehlt, ist institutionalisierte Unterstützung in Form von juristischem Beistand (fehlt in 40 Prozent der Fälle), einer vertrauenswürdigen Anlaufstelle in der Redaktion (fehlte fast drei Vierteln der Studienteilnehmer*innen) oder Schulungsangeboten (standen nur 17 Prozent der Befragten zur Verfügung).

Ein Großteil der Teilnehmer*innen äußerte den Wunsch nach strengeren Gesetzen und besserer Strafverfolgung. Das 2017 erlassene Netzwerkdurchsetzungsgesetz wurde insgesamt als nicht besonders nützlich angesehen. Polizist*innen sollten besonders beim Einsatz auf Demonstrationen besser geschult werden. Eine Teilnehmerin schilderte: »Ich habe schon erlebt, dass Polizisten bei Angriffen schulterzuckend daneben standen.«

Laut Gilda Sahebi von den Neuen deutschen Medienmacher*innen hat in den vergangenen Jahren auch das Ansehen von Journalist*innen stark gelitten. Angefangen habe das mit den Pegida-Kundgebungen in Dresden, wo vermehrt von der »Lügenpresse« gesprochen worden sei. Sahebi gibt seit 2018 Workshops für Journalist*innen, die Hatespeech erfahren haben oder sich dafür wappnen wollen. Zu Beginn ihrer Arbeit habe sie viel häufiger gehört, dass sich Medienschaffende von den Redaktionen alleine gelassen fühlen. Das habe sich etwas verbessert. Noch immer gebe es hier Nachholbedarf. Sie rät Betroffenen zudem, Hasskommentare nicht selbst zu lesen, sondern Kolleg*innen zu bitten, dies zu übernehmen, um strafrelevante Inhalte herauszufiltern.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln